Agrarpolitik im Zeitalter der Digitalisierung

Der zunehmende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) hat das Potential den Agrarsektor zu revolutionieren. Diese Entwicklung kann zu innovativen Formen von Anbaumethoden und Betriebsführung führen, sowie neue Formen der Interaktion zwischen Akteuren entstehen lassen (siehe auch unsere Beiträge zu Smart Farming)*. Diese Entwicklung könnte auch die Beziehung zwischen Landwirten und Regierungsbehörden komplett neugestalten.

Insbesondere werden Informationsasymmetrien (zwischen Landwirt und Vollzug und Politik) abnehmen, wenn immer mehr Informationen aus der Fernerkundung sowie von Sensoren an Maschinen oder Tieren verfügbar sind. Darüber hinaus wird die Bewertung der politischen Auswirkungen zunehmend einfacher zu quantifizieren sein, da die Menge an Informationen über direkte und indirekte Umweltauswirkungen messbar wird, z.B. durch Sensoren in Böden, Gewässern und anderen Datenquellen. Abschliessend werden Interaktionen von Landwirten und Regierungsbehörden mittels neuer Technologien und Informationen direkter seien können und die Überwachungskosten für Agrar- und Umweltpolitik massiv reduzieren.

Dies schafft Möglichkeiten, die künftige Agrar- und Umweltpolitik anpassungsfähiger und flexibler werden zu lassen. Die Digitalisierung des Agrarsektors könnte Synergien für Landwirte und die Verwaltung schaffen, indem die Agrarpolitik effektiver und effizienter gestaltet wird. Die Agrarpolitik im Zeitalter der Digitalisierung stellt jedoch auch neue Herausforderungen an Verantwortung und Rechenschaftspflicht. Um dieses grosse Potential zu nutzen, müssen Fragen des Dateneigentums sowie rechtliche und ethische Grundlagen für die Regulierung und Überwachung des Agrarsektors adressiert werden (Walter et al. 2017)**.

In unserem neuen Projekt DigiAP möchten wir eine ganzheitliche konzeptionelle Grundlage für die Entwicklung der Agrarpolitik im Zeitalter der Digitalisierung zu entwickeln. Insbesondere soll eine agrarökonomische Perspektive auf neue politische Optionen entwickelt werden. Die verwendeten methodischen Ansätze kombinieren theoretische ökonomische Analysen, Literatur- und Metastudien, vertiefte Analyse für ausgewählte Fallstudien und die Interaktion mit verschiedenen Stakeholdern. Potentiale und Fallstricke der IKT werden exemplarisch für die schweizerische Agrarpolitik dargestellt. Das Projekt wird Wege aufzeigen und Wege für zukünftige politische Entwicklungen von allgemeiner Relevanz im Agrarsektor aufzeigen.

Das Projekt startet im August 2018.***

 

* Smart-Farming für eine nachhaltige Landwirtschaft https://agrarpolitik-blog.com/2017/07/02/smart-farming-fuer-eine-nachhaltige-landwirtschaft/

Digitale Innovationen für eine nachhaltige Landwirtschaft https://agrarpolitik-blog.com/2018/02/08/digitale-innovationen-fuer-eine-nachhaltige-landwirtschaft/

**Walter, A., Finger, R., Huber, R., & Buchmann, N. (2017). Opinion: Smart farming is key to developing sustainable agriculture. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(24), 6148-6150.  http://www.pnas.org/content/114/24/6148

***Webseite des Projekts finden Sie hier www.aecp.ethz.ch/research/DigitAP.html. Das Projekt ist durch das Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt. Ansprechpartner: Robert Finger (rofnger@ethz.ch).

Die Grundzüge des Projektes werden auch auf der Tagung ‘Digitale Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft’ (21.09.2018, Agroscope) präsentiert https://bit.ly/2zZFXgr

2 Antworten auf „Agrarpolitik im Zeitalter der Digitalisierung

  1. Das Projekt klingt sehr, sehr spannend. Teilfragen haben wir auch in Bonares (im Boden-Kontext) anvisiert, vielleicht ergibt sich Kooperationspotenzial. Gerade Fragen der Nutzung von IKT zur Überwachung/Monitoring, mitsamt der damit einhergehenden rechtlichen und ethischen Herausforderungen finde ich spannend. Könnte man bspw mithilfe von IKT mehr in Richtung Ergebnis-orientierter Agrarumweltmaßnahmen gehen?

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  2. Wunderbar, unbedingt sollten wir diese Synergien nutzen. Ja, das Ermöglichen oder Stärken ergebnisorientierter Agrarumweltmassnahmen ist definitiv im Fokus. Nicht nur farming sondern auch Agrarpolitik kann ’smarter‘ werden

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch