Die Kirschessigfliege erhöht die Produktionskosten von Schweizer Kirschen massiv

Dominique Mazzi. Die aus Südostasien stammende und im Jahr 2011 erstmals in der Schweiz aufgetretene Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) legt ihre Eier in intakte, heranreifende oder reife Früchte vieler Kulturpflanzen und Wildobstarten. Die Kirschessigfliege bevorzugt dunkle, dünnschalige Früchte und ihr Speiseplan umfasst viele Spezialkulturen mit hoher Wertschöpfung wie Kirschen, Himbeeren und Weintrauben. Der Schaden entsteht durch das Fressen der aus den Eiern geschlüpften Maden im Fruchtfleisch. Über die bei der Eiablage entstehenden Einstiche dringen ausserdem Pilze und Bakterien in die Früchte ein. Befallene Früchte fallen zusammen, werden ungeniessbar und sind unverkäuflich. 2014 verursachte die Kirschessigfliege in der Schweiz erstmals grosse wirtschaftliche Schäden im Beeren-, Steinobst- und Rebbau.

Weil keine der bekannten Bekämpfungsansätze für sich alleine einen ausreichenden Schutz für die gefährdeten Kulturen bietet, werden zur Reduktion der Befallsschäden Kombinationen von Kontrollmethoden umgesetzt. Integrierte Bekämpfungsstrategie umfassen je nach Möglichkeit den Einsatz von engmaschigen Schutznetzen, den Einsatz von Lockfallen zum Massenfang und den Einsatz von biologischen und chemischen Insektiziden. Zudem ist die Bestandeshygiene eine Grundlage aller Bekämpfungsstrategien gegen die Kirschessigfliege, da mit der sorgfältigen Lese aller Früchte sowie der rechtzeitigen und sachgerechten Entfernung und Entsorgung überreifer und faulender Früchte Befallsherden vernichtet und spätere Infektionen verhindert werden.

Im Rahmen einer Online-Umfrage befragte Agroscope in Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen in den Jahren 2015 und 2016 Steinobstproduzenten nach ihren Strategien gegen die Kirschessigfliege sowie zur Befalls- und Schadenschätzung. An der Umfrage nahmen rund 10% (im 2015) bzw. 30% (im 2016) aller Schweizer Steinobstproduzenten teil.

Umfrage zu Schweizer Süsskirschen

In einer kürzlich veröffentlichten Studie* wurden Antworten für die Produktion von Süsskirschen ausgewertet und die wirtschaftlichen Auswirkungen des plötzlichen Auftretens der Kirchessigfliege in der Schweiz aufgezeigt. Der Grossteil der befragten Produzenten gab an, Überwachungsmassnahmen und Befallskontrollen durchgeführt zu haben. Auch wurde die Erntehygiene von den meisten Produzenten konsequent umgesetzt. Dort wo bereits eine Witterungsschutzinfrastruktur vorhanden war (insbesondere im Tafelkirschenanbau), wurden zusätzlich seitliche Schutznetze gegen die Kirschessigfliege angebracht. Insgesamt gab rund ein Drittel der befragten Produzenten gab an, diese Investition getätigt zu haben. Etwa 80% der befragten Produzenten führten mindestens eine Insektizidbehandlung gegen die Kirschessigfliege durch. Unter ihnen verwendeten die meisten Produzenten zwei der Produkte, die im Rahmen einer Allgemeinverfügung des Bundesamts für Landwirtschaft für die Anwendung eine Zulassung hatten.

Kombination von Kontrollmassnahmen, regelmässiger Insektizideinsatz und hohe Mehrkosten

Aus der Umfrage geht hervor, dass die Produzenten die empfohlenen Kontrollmassnahmen vorwiegend in Kombination einsetzten. Das bevorzugte Massnahmenpaket war die Kombination aus Insektizideinsatz und sauberem Abernten aller Früchte (32% im 2015 und 28% im 2016), gefolgt von der Kombination aus diesen beiden Ansätzen mit dem Einsatz von Insektenschutznetzen (31% im 2015 und 21% im 2016). Der Prozentsatz der Teilnehmenden an der Umfrage, welche gänzlich auf die Umsetzung von Bekämpfungsmassnahmen verzichteten lag im einstelligen Bereich.

Die durch die Kirschessigfliege verursachten Mehrkosten wurden anhand von validierten Angaben zu Maschinen-, Material und Arbeitskosten der Befragten berechnet. Es zeigt sich, dass die Höhe der Kosten stark vom Ausmass des Befalls und von den umgesetzten Bekämpfungsmassnahmen abhängt. Die Zusatzkosten für die Überwachung und Befallskontrolle müssen zwar immer getragen werden, d.h. allein das Auftreten der Kirschessigfliege in einem Gebiet rechtfertigt den Aufwand. Die Kosten für den zusätzlichen Pflückaufwand von Früchten, welche sorgfältig kontrolliert und sortiert werden müssen ist bei mässigem Befall am grössten. Mindererträge und Mindererlöse sind bereits bei einem Befall von 3% beträchtlich (ca. CHF 2‘000/ha tiefer als ohne Befall). Bei einem Befall von über 10% muss die gesamte Ernte vernichtet werden und der Mindererlös beträgt dann bis zu 75‘000 CHF/ha. Zu beachten ist, dass die Berechnungen die realen Kosten unterschätzen weil auch viele immaterielle, monetär kaum zu fassende Kosten anfallen können, wie zum Beispiel die Schwächung von Vertrauensbeziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmer, ein Imageverlust und negative Auswirkungen der Bekämpfungsmassnahmen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit.

Weitere Befragungen im Rahmen des Projektes DROSOPHRISK

Befragungen von Produzenten liefern wichtige Hinweise zum Stand der Umsetzung von empfohlenen Pflanzenschutzmassnahmen in der Praxis. Des Weiteren decken sie die Faktoren auf, welche die Akzeptanz für die empfohlenen Massnahmen fördern bzw. hindern und tragen so zur Verbesserung des Beratungsangebots und der Unterstützung agrarpolitischer Entscheidungen bei.

Im Rahmen des Projekts DROSOPHRISK werden in einer Kooperation zwischen der ETH Zürich (Gruppe für Agrarökonomie und -politik) und Agroscope (Forschungsgruppe Extension Obstbau) mit der Unterstützung des Bundesamts für Landwirtschaft über die Nationale Task Force Kirschessigfliege die Befragungen weitergeführt. Dabei sollen auch vermehrt Eigenschaften der Betriebe und der Betriebsleitenden aufgenommen werden und die Faktoren untersucht, die darüber entscheiden welche Bekämpfungsstrategien gewählt werden, inwiefern die Risiken im Falle eines Befalls die Wahl von Bekämpfungsstrategien tangieren und welche Schäden und damit assoziierten Kosten letztlich anfallen.

Weiterführende Informationen:

Nationale Task Force Kirschessigfliege www.drosophilasuzukii.agroscope.ch

Projekt „Determinanten des Risikomanagements in der Schweizer Landwirtschaft am Beispiel von Drosophila suzukii (DROSOPHRISK)“ www.aecp.ethz.ch/research/drosophrisk.html

*Mazzi D., Bravin E., Meraner M., Finger R., Kuske S. 2017. Economic impact of the introduction and establishment of Drosophila suzukii on sweet cherry production in Switzerland. Insects 8, 18; doi:10.3390/insects8010018.

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