Zahlungsbereitschaft für kulturelle Ökosystemleistungen der Graslandnutzung

Neben der Produktion von Lebensmitteln tragen Landwirte mit der Nutzung des Graslands zum Erhalt der Schweizer Kulturlandschaft bei. Für diese gemeinwirtschaftliche Leistung hat die Bevölkerung eine Zahlungsbereitschaft. Deren Höhe hängt davon ab, welche Alternativen es für die Nutzung des Graslands gibt.

Die landwirtschaftliche Nutzung von Wiesen und Weiden leistet einen zentralen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft in ganz Europa. In der Schweiz ist das Ziel der Kulturlandschaftspflege in der Verfassung explizit verankert und verschiedene agrarpolitische Instrumente bezwecken direkt oder indirekt eine Förderung des Graslands.

Unsere neueste Veröffentlichung* in der Zeitschrift «Journal of Agricultural Economics» geht der Frage nach, wie hoch der ökonomische Wert der Landschaftspflege durch die Graslandnutzung ist und durch welche Faktoren dieser Wert beeinflusst wird. Wir haben 32 Studien aus ganz Europa, welche sich mit der Zahlungsbereitschaft für kulturelle Leistungen aus dem Grasland befassen, in einer Meta-Studie zusammengefasst. Dabei berücksichtigen wir nur Studien, die auf Präferenzäusserungen beruhen d.h. auf direkten oder indirekten Fragen zur Bewertung der Kulturlandschaft mit mehr oder weniger Grasland.

Im Durchschnitt der Erhebungen sind die Teilnehmenden bereit, 38 Euro im Jahr für mehr Grasland zu zahlen. Unsere Analyse zeigt aber, dass die Aussagekraft des Mittelwerts beschränkt ist. Die Resultate implizieren nämlich, dass sich die Zahlungsbereitschaft je nach alternativer Landnutzung und Region unterscheiden kann (siehe Abbildung).

Wenn etwa Grasland im Talgebiet auf Ackerflächen ausgedehnt werden, ergibt sich eine negative Zahlungsbereitschaft. Die Bevölkerung würde also für eine Ausdehnung von permanentem Grasland auf Ackerflächen eine Kompensation fordern. Denkbar ist, dass die Befragten hier eine klare Präferenz für die Produktion von Lebensmitteln auf den fruchtbarsten Böden haben und kulturelle Leistungen des Graslands in den Hintergrund rücken. Im Gegensatz dazu ist die Zahlungsbereitschaft positiv, wenn intensives Grasland extensiviert beziehungsweise die Aufgabe der Graslandnutzung zu einer Verwaldung führen würde. Die höchste mittlere Zahlungsbereitschaft besteht für eine Extensivierung bzw. traditionelle Graslandnutzung in Bergregionen. Im Berggebiet wird auch die Aufgabe von Acker zugunsten von Grasland positiv bewertet. Diese Werte ergeben sich aber in erster Linie aus Studien in Grossbritannien, wo intensiver Ackerbau auch in höheren Regionen vorkommt. Hier überwiegen wohl die negativen Umweltaspekte wie Erosion, welche mit dem Ackerbau einhergehen.

Abbildung: Zahlungsbereitschaft für kulturelle Leistungen aus Grasland basierend auf 32 europäischen Befragungsstudien.

 

Aus diesen Ergebnissen folgern wir, dass es für die monetäre Bewertung von Grasland wichtig ist, die alternative Landnutzung (Acker oder Wald) und die Region zu berücksichtigen. Abhängig davon ändert sich der der kulturelle Wert des Graslands.

Für die Ausgestaltung von Agrarumweltmassnahmen ergeben sich daraus zwei Folgerungen: Erstens wäre es wichtig, alternative Landnutzungen und regionale Unterschiede in der Evaluation von Fördermassnahmen zu berücksichtigen. Die Wertschätzung der Bevölkerung für gemeinwirtschaftliche Leistungen des Graslands ist nicht überall gleich gross.

Zweitens könnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn dort, wo die Offenhaltung von Landschaften im Fokus steht, auf extensive, meist traditionelle Bewirtschaftungsweisen zurückgegriffen würde. Statt eines reinen Flächenbeitrags, wie ihn der Kulturlandschaftsbeitrag darstellt, würden spezifischere Zahlungen einen Mehrwert schaffen.

Eine Extrapolation unserer Ergebnisse auf das gesamte Grasland ist leider nicht möglich. Dafür sind die Studien methodisch zu unterschiedlich und die Angabe zur Ausdehnung des Graslands zu ungenau. Trotzdem glauben wir, dass unsere Studie wesentlich zur Sichtbarmachung von gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft beiträgt. Angesichts der zurzeit vorherrschend negativer Schlagzeilen ist das Thema nicht zuletzt für das Image der Schweizer Landwirtschaft von Bedeutung.

 

*Robert Huber und Robert Finger. 2019. A Meta‐analysis of the Willingness to Pay for Cultural Services from Grasslands in Europe. Journal of Agricultural Economics. https://doi.org/10.1111/1477-9552.12361

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