Wie resilient ist unsere Landwirtschaft?

Eine an Resilienz orientierte Agrarpolitik sollte Robustheit, Anpassungsfähigkeit und die Transformierbarkeit der Landwirtschaft berücksichtigen.

Robert Finger & Willemijn Vroege. Eine resiliente Landwirtschaft ist ein wichtiges agrarpolitisches Ziel. Häufig wird der Fokus der Diskussionen um Resilienz jedoch auf den Aspekt der Robustheit beschränkt und Politik- und Marktinstrumente in den Vordergrund gerückt, die auf die Erhaltung der Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe abzielen. Allerdings ist unserer Meinung nach diese Sichtweise auf das Thema Resilienz zu eingeschränkt. Robustheit trägt zwar zur landwirtschaftlichen Entwicklung bei, allerdings sind angesichts sich verändernder Rahmenbedingungen zusätzlich weitere Potentiale in der Lebensmittel- und Agrarindustrie durch Anpassungsfähigkeit und Transformierbarkeit zu erschliessen.

Europäische Landwirtinnen und Landwirte werden immer stärker mit Ungewissheiten wie schwankenden Erzeugerpreisen und Extremwetterereignissen konfrontiert. Hinzukommen, um nur einige Herausforderungen zu nennen, Belastungen und Chancen durch die demografische Entwicklung sowie sich wandelnde gesellschaftliche Anforderungen und Konsumentenpräferenzen. Um der Vielzahl der sich daraus ergebenden Herausforderungen gerecht werden zu können, weisen wir, eine Europa-weite Gruppe von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die im Projekt SURE-Farm zusammenarbeiten, darauf hin, dass Politik und Agrarwirtschaft über traditionelle Strategien hinausblicken müssen. Wichtige Beiträge zur Resilienz könnten Bottom-up-Lernprozesse, Innovationsbereitschaft von Landwirtinnen und Landwirten sowie radikale Veränderungen bei der Produktion, Finanzierung und Vermarktung von Waren und Dienstleistungen sowie neue Geschäftsmodelle leisten.

Resilienz ist mehr als die Robustheit von landwirtschaftlichen Betrieben und deren Einkommen

Ein solches Verständnis von Resilienz geht weit über die Annahme hinaus, dass Massnahmen zur Resilienz der Europäischen Landwirtschaft hauptsächlich auf die Robustheit von landwirtschaftlichen Betrieben und deren Einkommen ausgerichtet sein sollten. Die SURE-Farm-Gruppe argumentiert, dass aus politischer Perspektive nicht die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern die Funktionen der Landwirtschaft im Mittelpunkt stehen sollten, wie die Bereitstellung von landwirtschaftlichen Produkten, die Generierung von Einkommen in ländlichen Gebieten sowie Umweltleistungen. Daher betonen wir, dass eine Resilienz der Landwirtschaft nur dann erreicht werden kann, wenn mehrere Prozesse ineinandergreifen, einschliesslich der Agrarpolitik, Risikomanagement, demographischer Wandel, institutioneller Wandel und innovative Formen landwirtschaftlicher Produktion.

Landwirtschaftliche Herausforderungen unterscheiden sich innerhalb Europas

Herausforderungen und Prozesse unterscheiden sich in den landwirtschaftlichen Gebieten in der Europäischen Union. Zum Beispiel sind einige Regionen anfälliger für Klima- oder Krankheitsrisiken, während andere mit neuen Anforderungen von Stakeholdern gegenüber der Landwirtschaft konfrontiert sind. Dies wird in Europa Auswirkungen auf die Entwicklungspfade der drei Resilienzansätze haben: Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Transformierbarkeit (siehe auch Meuwissen et al., 2018*). SURE-Farm bewertet daher Determinanten und Beiträge zur Resilienz in verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen landwirtschaftlichen Systemen. Das SURE-Farm Projekt identifiziert in jeder Region lokale Herausforderungen und Funktionen der Landwirtschaft, untersucht die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Unternehmen vor dem Hintergrund politischer Rahmenbedingungen und bewertet kontextspezifische Wege zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit von landwirtschaftlichen Systemen. Für einige Systeme mag der Fokus auf Robustheit ausreichen, andere können ihre wesentlichen Funktionen möglicherweise eher gewährleisten, wenn sie sich anpassen oder transformieren. Wir involvieren dabei in vielfältiger Weise Landwirtinnen und Landwirte sowie andere Stakeholder – da Wissen zur Verbesserung der Resilienz grösstenteils nicht in Statistiken und Datenbanken verfügbar ist.

Das SURE-Farm Projekt

SURE-Farm ist ein Forschungs- und Innovationsprojekt, das im Rahmen des EU-Programms Horizon 2020 gefördert wird. Es umfasst 16 Universitäten und Forschungsinstitute aus 11 europäischen Ländern und wird von der Wageningen University & Research koordiniert. Der vollständige Projekttitel lautet “Towards SUstainable and REsilient EU FARMing systems”. Die AECP Gruppe der ETH Zürich entwickelt im Rahmen des SURE-Farm Projektes verbesserte Strategien zum Umgang mit extremen Witterungsrisiken, z.B. durch neue und innovative Versicherungslösungen.

Weitere Informationen:

*Meuwissen, M. et al. (2018). Resilience framework for EU agriculture. >> (frei zugänglich)

Webseite des Projektes: http://surefarmproject.eu/

Mitarbeiter der AECP Gruppe im SURE-Farm Projekt: Robert Finger, Willemijn Vroege

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch