Determinanten des Risikomanagements in der Landwirtschaft

Manuela Meraner*. Das Risikomanagement ist wesentlicher Bestandteil der landwirtschaftlichen Produktion. Es werden zwei Kategorien von Faktoren, die die Risikomanagemententscheidungen von Landwirten beeinflussen, unterschieden: externe und interne Faktoren. Zu den externen Faktoren gehören geographische Merkmale des Betriebs sowie Klimafaktoren oder das politische Umfeld. Interne Faktoren sind persönliche Merkmale des Landwirts und der landwirtschaftlichen Familie sowie der Entscheidungsrahmen der Landwirte. In der im September 2017 abgeschossenen Dissertation von Manuela Meraner mit dem Titel ‚Decision making under risk in agriculture – An experimental and survey based analysis’ werden externe und interne Determinanten untersucht, welche die Entscheidungsfindung über die Risikomanagementstrategien der Landwirte im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen beeinflussen, indem (i) Effekte der Kontextualisierung von experimentellen Methoden zur Risikopräferenzmessung, (ii) Determinanten von Risikomanagement-Entscheidungen bei Veredelungsbetrieben, (iii) zugrundeliegende Motive von Landwirten mit Agrartourismus sowie (iv) Charakteristika von diversifizierten Landwirten im peri-urbanen Raum untersucht werden. Diese vier Studien werden im Folgenden kurz zusammengefasst.

In der ersten Studie (Meraner et al. 2018a) wurden Daten aus Experimenten mit landwirtschaftlichen Studenten verwendet, um Effekte der Kontextualisierung, d.h. eine Veränderung des Entscheidungskontexts, in experimentellen Methoden zur Risikopräferenzmessung zu erforschen. Dabei wurden Inkonsistenzen in einer kontextfreien Lotterie mit einer Lotterie mit landwirtschaftlichen Kontext verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kontextualisierung von experimentellen Methoden der Risikopräferenzmessung Inkonsistenzen verringert und damit die Datenqualität verbessert wird.

Zweitens wurden Befragungsdaten von Veredelungsbetrieben gesammelt, um eine ganzheitliche Analyse der Determinanten der Risikomanagement-Entscheidungen durchzuführen. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Entscheidungsrahmen des einzelnen Landwirts (d.h. Risikopräferenzen, Risikowahrnehmung und Erfahrungen mit Verlusten) die Wahl der Risikomanagementstrategie bestimmt. Landwirte mit einer starken Präferenz Risiken zu vermeiden wählen mit höherer Wahrscheinlichkeit innerbetriebliche Risikomanagementstrategien wie den Einsatz von resistenten Sorten oder Agrartourismus. Die Ergebnisse sind im Detail im Artikel von Meraner und Finger (2017a) präsentiert, und der dazu gehörige Datensatz im Beitrag Meraner und Finger (2017b) veröffentlicht.

Drittens wurden Landwirte von agrartouristischen und nicht-agrartouristischen Betrieben in der Stadt Münster und Umgebung interviewt, um die zugrundeliegenden Motive des Einstiegs in den Agrartourismus und Unterschiede in den Charakteristika der Betriebe zu untersuchen. Die interviewten Landwirte gaben mehrheitlich an stärker opportunitätsmotiviert zu sein als von der Notwendigkeit eine zusätzliche Aktivität ausüben zu müssen getrieben zu sein (Kapitel 4 der Dissertation).

Viertens wurden Daten von Landwirten im Ruhrgebiet analysiert um Erkenntnisse über Determinanten der Diversifikationsentscheidung im peri-urbanen Raum zu erhalten (Meraner et al., 2017). Die Ergebnisse zeigen, dass die Nähe zu einem urbanen Agglomerat die Landwirte dazu anregt, Diversifikationsaktivitäten zu betreiben. Die Entscheidung zur nicht-landwirtschaftlichen Diversifizierung ist gelegenheitsbedingt, daher ist eine bessere Information der Landwirte über bestehende und innovative Diversifikationsmöglichkeiten für die ländliche Entwicklung essentiell. Der dazu gehörige Datensatz im Beitrag Meraner et al. (2018b) veröffentlicht.

*Dr. Manuela Meraner ist nach Ihrer Anstellung in der AECP Gruppe (2016-2018) der ETH Zürich nun wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und koordiniert den Masterstudiengang Agricultural and Food Economics.

 

Disseration:

Meraner, M. (2017). Decision making under risk in agriculture – An experimental and survey based analysis. Dissertation Rheinische Friedrichs-Wilhelms-Univsität Bonn http://hss.ulb.uni-bonn.de/2017/4887/4887.htm (open access)

Paper

Meraner, M., & Finger, R. (2017a). Risk perceptions, preferences and management strategies: Evidence from a case study using German livestock farmers. Journal of Risk Research. doi:10.1080/13669877.2017.1351476 >>

Meraner, M., & Finger, R. (2017b). Data on German farmers risk preference, risk perception and risk management strategies. Data in Brief 15: 102-105. >> (open access)

Meraner, M., Pölling, B., & Finger, R. (2017). Diversification in peri-urban agriculture: a case study in the Ruhr metropolitan region. Paper presented at the XV EAAE Congress, Parma, Italy, August 29 – September 1, 2017.

Meraner, M., Musshoff, O., & Finger, R. (2018). Using involvement to reduce inconsistencies in risk preference elicitation. Journal of Behavioral and Experimental Economics 73, 22-33 >>

Meraner, M., Pölling, B., & Finger, R. (2018). Data on farm diversification decisions and farmers’ risk preferences in the Ruhr Metropolitan region (Germany). Data in Brief 18, 9-12 >> (open access)

 

Für Kopien nicht frei verfügbarer Artikel senden Sie bitte eine E-Mail an Robert Finger, rofinger@ethz.ch

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch