Der Wert phänologischer Beobachternetzwerke für Agrarversicherungen

Tobias Dalhaus & Robert Finger.

Landwirtschaftliche Versicherungen können eine sinnvolle Ergänzung für das betriebliche Risikomanagement sein, und insbesondere zur Absicherung gegen durch Wetterrisiken verursachte Verluste in Quantität und Qualität der Ernte genutzt werden. In einem vorherigen Post* haben wir an dieser Stelle bereits das innovative Konzept der sogenannten Wetterindexversicherungen vorgestellt. Hierbei erhalten Landwirte Auszahlungen nicht basierend auf entstandenem Schaden sondern auf Basis eines Wetterwertes, z.B. dem gemessenen Niederschlag an einer Wetterstation. Meldet die Wetterstation hierbei eine Trockenheit, erfolgt automatisch eine Auszahlung an den Landwirt. Die Berücksichtigung von kritischen Wachstumsphasen, wie z.B. dem Ährenschieben im Winterweizen, während derer die Pflanze besonders anfällig gegen Trockenstress ist, ist hierbei essentiell**.

Dabei muss vor dem Beginn der vegetativen Phase festgelegt werden, in welchem Zeitraum die Wettervariable an welchen Ort gemessen werden soll. Es gibt verschiedene Ansätze, die kritischen Wachstumsphasen, in denen die Pflanze zum Beispiel stark auf Trockenheit reagiert festzulegen. In einem kürzlich in der Zeitschrift Scientifc Reports publizierten Beitrag*** konnten wir anhand einer Trockenheitsversicherung für Weizenproduktion in Norddeutschland zeigen, dass sich verschiedene Phänologische Beobachternetzwerke besonders gut dazu eignen um diese Wachstumsphasen zu finden und auf Basis dessen eine effektive Versicherung zu entwerfen. Diese Netzwerke, deren Daten durch den Deutschen Wetterdienst bereitgestellt werden, liefern hierbei detaillierte Informationen zu Kalenderdaten des Auftretens verschiedener Wachtumsphasen in verschiedenen Ackerkulturen und Wildpflanzen. Dem gegenüber gestellt haben wir ausserdem getestet wie sich ein besonders einfach gehaltenes Pflanzenwachstumsmodel (basierend auf Wachstumsgradtagen) dazu eignet um das Auftreten von kritischen Wachstumsphasen abzuschätzen. Hierbei konnten wir eindeutig feststellen, dass oben genannte Beobachternetzwerke die effektivere Variante darstellen.

Die Möglichkeit sich anhand von phänologischen Beobachtungen zu versichern ist jedoch von der Datenverfügbarkeit abhängig. So bieten viele Länder, wie z.B. Deutschland, einen reichhaltigen, frei verfügbaren Datenpool an. In der Schweiz hingegen sind derartige Informationen nur für einige wenige Kulturen (wie z.B. Apfelbäume – www.agrometeo.ch) verfügbar. Eine Erweiterung der Datengrundlage wäre hier sowohl für Wissenschaft als auch Praxis wünschenswert, um Klimarisiken besser abschätzen und reduzieren zu können aber auch um Landwirten massgeschneiderte Handlungsempfehlungen geben zu können.

 

* Dahaus, T. & Finger, R. (2016) Risikomanagement mittels Wetter-Indexversicherung. Agrarpolitik-Blog, 09. August 2016  >>

**Dalhaus, T., & Finger, R. (2016). Can Gridded Precipitation Data and Phenological Observations Reduce Basis Risk of Weather Index–Based Insurance?. Weather, Climate, and Society, 8(4), 409-419. Frei verfügbar >>

***Dalhaus, T.,; Musshoff, O.; Finger, R.(2018). Phenology Information Contributes to Reduce Temporal Basis Risk in Agricultural Weather Index Insurance. Scientific Reports, 8, 46. Frei verfügbar >>

 

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch