Die Lebensmittelindustrie ist im Vergleich zu anderen Industriezweigen nicht weniger wettbewerbsfähig und rentabel

Stefan Hirsch. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich eine Vielzahl ökonomischer Studien mit der Wettbewerbsfähigkeit und den Triebkräften für langanhaltend stabile Unternehmensgewinne befasst. Diese Studien fokussieren sich auf eine grosse Bandbreite an Industrie- und Servicesektoren,  wie der Automobilbranche, der Lebensmittelindustrie und dem Bankensektor. Die Interpretation und  Vergleichbarkeit der in den Studien identifizierten Erkenntnisse ist jedoch aufgrund des breiten Methoden- und Datenspektrums sowie einer Fokussierung auf einer Vielzahl an Ländern und Sektoren problematisch.

Zur Gewinnung generalisierbarer Aussagen wurden in einer kürzlich im Journal of Economic Surveys* erschienenen Meta-Analyse alle Studien, die Aussagen zur Gewinnstabilität von Unternehmen liefern, systematisch zusammengefasst. Dabei wurden 36 relevante Studien, welche insgesamt 413 Koeffizienten rapportieren, identifiziert. Neben der Gewinnstabilität wurden als weitere Studienmerkmale die analysierte Industrie, der Länderfokus, der Untersuchungszeitraum sowie die verwendete ökonometrische Untersuchungsmethode erfasst.

Ziel der Meta-Analyse ist es, die Wettbewerbsfähigkeit sowie Gewinnstabilität in der Lebensmittelindustrie im Vergleich zu anderen Sektoren systematisch zu erfassen. Darüber hinaus liefert die Analyse Erkenntnisse, inwiefern Unterschiede in den bisherigen Ergebnissen durch Studiencharakteristika wie den Länderfokus, den untersuchten Zeitraum sowie die Wahl der Untersuchungsmethode bedingt sind.

Die Ergebnisse zeigen, dass nach Berücksichtigung eines möglichen Publikations-Bias, im Durchschnitt ein signifikantes Ausmass an Gewinnstabilität vorherrscht. Mittels einer Regressionsanalyse wurde ermittelt, inwiefern sich einzelne Studiencharakteristika (Industrie/Länderfokus, Zeitraum der Analyse sowie Untersuchungsmethode) auf die durchschnittliche Gewinnstabilität auswirken. Es zeigt sich, dass sich die Gewinnstabilität von Unternehmen in der Lebensmittelindustrie nicht signifikant von jener in anderen Industriesektoren unterscheidet. Trotz gesättigter Märkte und eines hohen Wettbewerbsdrucks durch stark konzentrierte Einzelhandelssektoren weist die Lebensmittelindustrie somit eine zu anderen Industriesektoren vergleichbare Wettbewerbsfähigkeit auf.

Des Weiteren deuten die Resultate darauf hin, dass Studien welche nach 2003 veröffentlicht wurden eine geringere Gewinnstabilität ausweisen, was auf einen generellen Anstieg des Wettbewerbs seit 2003 hindeutet. Darüber sind Unternehmen in Entwicklungsländern, vermutlich aufgrund geringeren Wettbewerbsdrucks, von einer höheren Gewinnstabilität gekennzeichnet. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass sich die Gewinnstabilität in Entwicklungsländern auf ein geringes Gewinnniveau bezieht. Zuletzt zeigt die Analyse, dass die Wahl der korrekten ökonometrischen Methode essentiell für die Generierung robuster Ergebnisse ist.

 

*Hirsch, S. (2017): Successful in the long run? A meta-regression analysis of persistent firm profits. Journal of Economic Surveys. In Press

Stefan Hirsch ist PostDoc in der Agricultural Economics and Policy Group

 

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