Landwirtschaftlicher Haushalt puffert Geschäftsrisiko

Von Markus Lips & Dierk Schmid. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen hat einen grossen Einfluss auf das Geschäftsrisiko von landwirtschaftlichen Betrieben. Gemäss dem Konzept von Gabriel und Baker (1980) nehmen die Landwirtschaftsbetriebe einen Ausgleich zwischen dem Geschäftsrisiko einerseits und dem Finanzrisiko andererseits vor. Weist ein Betrieb ein hohes Geschäftsrisiko auf, wie beispielsweise den Anbau von Obst in Niederstammkulturen, benötigt er einen hohen Anteil Eigenkapital, um das Finanzrisiko klein zu halten.

Der negative Zusammenhang zwischen Geschäfts- und Finanzrisiko konnte weltweit vielfach nachgewiesen werden. Wie die kürzlich auf Basis von Buchhaltungsdaten von Agroscope erfolgte Untersuchung von de Mey et al. (im Druck) zeigt, ist dieser Zusammenhang für die Schweizer Landwirtschaft nicht vorhanden. Hingegen besteht ein Zusammenhang zwischen dem Geschäftsrisiko und dem Haushalt der Betriebsleiterfamilie, d.h. der Einheit aus Einkommen aus dem Landwirtschaftsbetrieb und aus ausserlandwirtschaftlicher Tätigkeit sowie Privatverbrauch. Je grösser das Geschäftsrisiko, desto geringer ist das Finanzrisiko, d.h. die Fremdkapitalzinsen des Betriebs im Verhältnis zum Haushaltseinkommen. Weiter nimmt mit zunehmendem Geschäftsrisiko das Einkommen aus ausserbetrieblicher Tätigkeit zu. Schliesslich reagiert der Haushalt auf ein zunehmendes Geschäftsrisiko mit einer Reduktion des Konsums. Alle drei genannten Effekte waren hoch signifikant.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Haushalt für das Risikomanagement in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielt. Dies gilt es bei einer Risiko-Beurteilung zu berücksichtigen und ist für die Ausgestaltung der Agrarpolitik relevant. Gesamtschweizerisch hat die ausserbetriebliche Tätigkeit in den letzten Jahren klar an Bedeutung gewonnen. Sehr deutlich zeigt sich dies beispielsweise im Kanton Obwalden, dessen landwirtschaftliche Haushalte im Durchschnitt der Jahre 2010-2012 51% ihres Einkommens aus ausserbetrieblichen Quellen generierten (Schmid et al., 2015).

Im Unterschied zu den meisten europäischen Ländern werden die ausserlandwirtschaftlichen Einkommen bei der jährlichen Datenerfassung von Agroscope mitberücksichtigt. Dies wird auch in der neuen zufälligen Stichprobe für die Einkommenssituation der Fall sein und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal dieser Daten bleiben.

Literaturangaben

de Mey, Y., Wauters, E., Schmid, D., Lips, M., Vancauteren, M. & Van Passel, St., (im Druck). Farm household risk balancing: empirical evidence from Switzerland, European Review of Agricultural Economics. doi: 10.1093/erae/jbv030

Gabriel, S. C. and Baker, C. B. (1980). Concepts of business and financial risk, American Journal of Agricultural Economics, 62: 560–564.

Schmid, D., Lips, M. & Renner, S., (2015). Beurteilung der finanziellen Situation der Obwaldner Landwirtschaftsbetriebe, Agroscope, Ettenhausen.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s