FHAL? Egal – entscheidend ist die Marktstellung im Inland!

Robert Huber. Die entscheidende Frage für eine produzierende Landwirtschaft ist nicht FHAL oder nicht. Viel wichtiger ist, wie die Landwirtschaft in der Zukunft ihre Marktanteile halten kann.

Die letzte Woche hat deutlich gemacht, was hinter vorgehaltener Hand schon immer gesagt und gedacht wurde. Ein Freihandelsabkommen mit der EU im Agrarbereich (FHAL) ist politisch zurzeit nicht mehrheitsfähig. Zumindest der Nationalrat will nicht einmal mehr verhandeln.

Dabei geht die jetzige Diskussion um das FHAL am Kern vorbei. Entscheidend ist nicht primär, wie viel Prozent die Schweiz mehr oder weniger importieren würde und ob dies zum Wohl der Gesellschaft ist oder nicht. Ein Wachstum der Schweizer Wirtschaft, welches irgendwo im Bereich der Kommastellen liegen würde, ist ebenso wenig ausschlaggebend wie die Frage eines Abschlusses der WTO-Verhandlungen. Vielmehr ist die Frage relevant, wie und wo die Bauern in Zukunft ihre Produkte absetzen können.

Als Folge der Liberalisierungsschritte in den letzten Jahren ist der Schweizer Grenzschutz schon jetzt löchrig wie ein Emmentaler. Die Konkurrenz bei verarbeiteten Produkten mit höherer Wertschöpfung beispielsweise wird immer grösser. Dort besteht praktisch kein Grenzschutz. Das Cassis-de-Dijon Prinzip erleichtert den Import aus der EU zusätzlich und mit einem starken Franken gewinnt der Einkaufstourismus wieder an Bedeutung. Diese Konkurrenz erhöht die Gefahr, dass die Schweizer Landwirtschaft Marktanteile im Inland verliert. Wird die Landwirtschaft nicht produktiver, dann steigen die Produktionskosten pro Kilogramm Fleisch, Getreide oder Milch. Mit anderen Worten, wenn man die gleichen Fixkosten auf weniger Produktionsmenge verteilt, verdienen die Bauern weniger oder aber der Preis müsste steigen. Letzteres ist kaum realistisch oder nur in einem eng begrenzten Bereich.

Ziel der Schweizer Landwirtschaft muss sein, die Produktivität zu erhöhen und mit den Abnehmern gemeinsam neue innovative Produkte zu entwickeln, um nicht in einen Teufelskreis aus sinkendem Absatz und steigenden Kosten zu geraten. Ein FHAL könnte ein Anreiz zur Steigerung der Produktivität oder zur Förderung von Innovation sein. Es sind aber durchaus auch andere agrarpolitische Optionen denkbar, beispielsweise im Bereich der Direktzahlungen, des Bodenrechts oder der Investitionshilfen. Es ist aber notwendig, dass die Schweizer Landwirtschaft ihre Produktivität mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Märkte steigert. Einfach darauf hoffen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten auch in Zukunft die gleiche Menge an Schweizer Produkten kauft, wenn die relative Preisdifferenz zu den ausländischen Produkten zunimmt, ist eine trügerische Alternative.

Ein FHAL ist ein möglicher Weg um die Schweizer Landwirtschaft konkurrenzfähiger zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Unter diesem Blickwinkel sollte es auch diskutiert werden.

Robert Huber arbeitet für die Flury-Giuliani GmbH

Ein Gedanke zu „FHAL? Egal – entscheidend ist die Marktstellung im Inland!

  1. Unser Grenzschutz „löchrig wie ein Emmentaler“? Naja…
    Uneben vielleicht. Aber wenn man genauer hinschaut ist sogar der Milchbereich betoniert, weil zwar der „gelbe“ Kanal den Käsefreihandel bringt aber der „weisse“ Kanal danke immer noch stolzen Zölle zwischen 200 und 500% total verstopft bleibt. Die Nahrungsmittelindustrie bleibt also ausser für Re-exporte zur Swissness verdammt.
    Und der Zollschutzrekordhalter? Mit über 5000% immer noch der Esel – sans blague!

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