Bestimmungsfaktoren für die Implementierung von handlungsorientierten QI-, ergebnisorientierten QII- und vernetzten Biodiversitätsförderflächen in der Schweiz

Autoren*: Gabriele Mack, Christian Ritzel & Pierrick Jan

Die Intensivierung der Landwirtschaft hat zu einer Abnahme der biologischen Vielfalt an Fauna und Flora geführt (Kleijn et al., 2009). Um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und den Ökologischen Leistungsnachweis zu erfüllen, muss seit 1999 jedeR LandwirtIn einen angemessenen Anteil an Biodiversitätsförderflächen (BFF) an der eigenen landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) aufweisen. Dieser Anteil beträgt 3.5% bei Spezialkulturen und 7% bei der übrigen LN. Die Biodiversitätsbeiträge werden über die Direktzahlungsverordnung geregelt. Sie sind in die zwei Beitragsprogramme Qualitäts- und Vernetzungsbeiträge eingeteilt. Die Qualitätsbeiträge gliedern sich in Beiträge für die Qualitätsstufen QI und QII. Die Anforderungen der QI-Beiträge sind handlungsorientiert. Das bedeutet, dass der Landwirt / die Landwirtin QI-Beiträge erhält, wenn er oder sie bestimmte Massnahmen anwendet respektive Anforderungen einhält (z.B. keine Düngung, kein oder eingeschränkter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, später erster Schnittzeitpunkt). Die Qualitätsstufe QII ist ergebnisorientiert ausgestaltet. Anhand von floristischen Indikatorarten und Strukturen wird geprüft, ob die Flächen für die Flora und Fauna wertvoll sind. Darüber hinaus wird die Vernetzung der BFF über die Vernetzungsbeiträge gefördert.

In einer kürzlich erschienenen Publikation (Mack et al., 2020) hat Agroscope die sozioökonomischen Bestimmungsfaktoren analysiert, welche den betrieblichen Flächenumfang an handlungsorientierten QI-, ergebnisorientierten QII- und vernetzten BFF in der Schweiz beeinflussen. Die quantitative Analyse nutzte einzelbetriebliche Daten der Stichprobe Einkommenssituation der Zentralen-Auswertung (ZA) von Buchhaltungsdaten für die Jahre 2015 bis 2017. Diese wurden mit AGIS-Daten verknüpft, welche Angaben über den einzelbetrieblichen Flächenumfang an QI-, QII- und vernetzten BFF liefern.

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Abbildung 1. Anteile an QII- und Vernetzungsflächen an der gesamten handlungsorientierten BFF von 2015-2017 (Handlungsorientierte BFF ist in Dezile unterteilt).

Abbildung 1 zeigt, dass der Anteil an ergebnisorientierten QII und Vernetzungsflächen ansteigt, je höher der Anteil an handlungsorientierten BFF an der LN eines Betriebs ist. Die Ergebnisse der Panel-Regressionen zeigen, dass das Bildungsniveau und die Kompetenzen der LandwirtInnen bei den ergebnisorientierten QII BFF und den vernetzten BFF von grösserer Bedeutung sind als bei den handlungsorientierten BFF. Insbesondere Betriebe, die von jungen und hoch qualifizierten LandwirtInnen geführt werden, haben signifikant höhere Anteile an ergebnisorientierten QII BFF. Des Weiteren haben LandwirtInnen mit einem hohen Bildungsniveau und einer grösseren LN signifikant höhere Anteile an vernetzten BFF. Unsere Ergebnisse zeigen zudem, dass institutionelle Faktoren wie beispielsweise die kantonalen Behörden einen signifikanten Einfluss auf den Flächenumfang an ergebnisorientierten QII und vernetzten BFF haben. Im Gegensatz dazu wird der Flächenumfang an handlungsorientierten QI BFF stark vom jeweiligen Betriebstyp beeinflusst. Für Betriebe, bei denen die Implementierung von BFF zu geringen Änderungen in der Produktionsmethode führte (z.B. Betriebe mit extensiver Mutterkuhhaltung), konnten wir vergleichsweise höhere Anteile an handlungsorientierten QI-BFF beobachten. Diese adverse Selektion, die sich aus geringen Compliance-Kosten ergibt, konnten wir hingegen nicht für ergebnisorientierte QII und vernetzte BFF feststellen.

*Die Autoren Gabriele Mack, Christian Ritzel & Pierrick Jan sind wissenschaftliche Mitarbeiter bei Agroscope, im strategischen Forschungsbereich Wettbewerbsfähigkeit und Systembewertung.

Referenzen

Mack, G., Ritzel, C. & Jan, P. (2020). Determinants for the Implementation of Action-, Result- and Multi-Actor-Oriented Agri-Environment Schemes in Switzerland, Ecological Economics 176 (2020) https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2020.106715

Kleijn, D., et al. (2009): On the relationship between farmland biodiversity and land-use intensity in Europe. Proceedings of the royal society B: biological sciences 276.1658 (2009): 903-909.

 

 

 

 

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch