Präferenzen von Ostschweizer Milchproduzenten bezüglich ihrer Arbeitstätigkeit

von Markus Lips & Christian Gazzarin. Eine Umfrage der Agroscope bei Milchwirtschaftsbetrieben zeigt eine enorme Präferenz für die Milchproduktion als Arbeitsinhalt.

Die Milchproduzenten sind mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. In einer Umfrage von Agroscope gaben 69% der Milchproduzenten an, regelmässig unter Beschwerden im Muskel-Skelett-System zu leiden. Verglichen mit anderen Betriebstypen erzielen Verkehrsmilchbetriebe unterdurchschnittliche Einkommen. Schliesslich ist die Diskrepanz zu den ausserlandwirtschaftlichen Einkommen gross, denn im Mittel wird diese pro Vollzeitarbeitskraft doppelt so hoch entschädigt wie jene auf dem Betrieb. Da die Milchproduktion nach wie vor der wichtigste Betriebszweig der Schweizer Landwirtschaft ist, stellt sich die Frage, ob Milchproduzenten substanzielle, nicht-monetäre Präferenzen bezüglich ihrer Arbeitstätigkeit haben.

Um dies zu untersuchen, wurde im Rahmen einer Umfrage auf 300 Ostschweizer Milchwirtschaftsbetrieben in den Jahren 2006 und 2007 – vor dem Ausstieg der Milchkontingentierung – auch ein Discrete Choice Experiment durchgeführt. Die befragten Betriebe beabsichtigten eine Weiterführung der Milchproduktion.

Das Experiment brachte eine enorme Präferenz für die Milchproduktion als Arbeitsinhalt zu Tage. Unter Annahme eines konstanten Nutzenniveaus hätte ein Wechsel auf die Alternative „Mutterkuhhaltung und andere Erwerbstätigkeit“ mit Fr. 53‘000.- pro Jahr kompensiert werden müssen, was dem anderthalbfachen Einkommen einer Familienarbeitskraft auf einem Milchwirtschaftsbetrieb entsprach. Ähnlich hoch wäre die notwendige Kompensation beim Wechsel auf eine Tätigkeit ausserhalb der Landwirtschaft gewesen. Die Aufgabe der Selbständigkeit bzw. Aufnahme einer Anstellung hätte eine Kompensation in Höhe des Arbeitsverdiensts (Fr. 35‘000.-) erfordert. Umgekehrt zeigten die Betriebsleitenden für eine zusätzliche Woche Ferien eine Zahlungsbereitschaft von über Fr. 7000.-

Es ist möglich, dass die Betriebsleitenden die Einkommensvariation im Experiment auf das gesamte Haushaltseinkommen statt auf das Einkommen einer Vollzeitarbeitskraft bezogen. Entsprechend müssten die Resultate durch die Anzahl Familienarbeitskräfte dividiert werden, die deutlich über eins lagen. Nichtdestotrotz zeigt die Analyse, dass erhebliche nicht-monetäre Präferenzen bestehen und die Einkommensmaximierung nur eines von mehreren Zielen ist. Die ermittelten Präferenzen helfen im Weiteren zu erklären, weshalb der Strukturwandel in der Milchproduktion nicht stärker ausgefallen ist: Das zusätzlich erzielte Einkommen müsste eine erhebliche Grösse haben, um eine Nutzeneinbusse zu vermeiden.

Literaturangabe:

Lips, M., Gazzarin, C. & Telser, H., 2016. Job Preferences of Dairy Farmers in Eastern Switzerland: A Discrete Choice Experiment, German Journal of Agricultural Economics, 65(4): 254-261.

 

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