Öffentliche Unterstützung von Versicherungen? Das könnte teuer werden.

Robert Finger. Je mehr Direktzahlungen die Bauern erhalten, desto kleiner wird ihre Bereitschaft sich gegen wetter- und markbedingte Risiken zu versichern.

Steigende Markt- und Produktionsrisiken stellen zentrale Herausforderungen für die Landwirtschaft dar. Zunehmende Ertrags- und Preisschwankungen steigern  zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten der Produktion am Ende des Jahres nicht gedeckt werden können. Als Lösung bieten sich unter anderem Versicherungen an, welche markt- und/oder wetterbedingte Risiken abdecken. Im Gegensatz zu Nordamerika, beschränkt sich der grossflächige Einsatz von Versicherungen in Europa häufig auf Elementarrisiken wie beispielsweise Hagel. Nachdem umfangreichere Versicherungslösungen in anderen Europäischen Ländern diskutiert wurden, kamen solche Instrumente auch in der Schweiz auf die Agenda. Der SBV forderte im letzten Jahr eine Gesetzesgrundlage für die Einführung einer öffentlichen Unterstützung von Versicherungsprämien gegen wetter- und marktbedingte Risiken.

Die Diskussion über und Unterstützung von alternativen Risikomanagementstrategien ist absolut relevant und sinnvoll. Der Teufel steckt jedoch im Detail oder mit anderen Worten, wie diese öffentliche Unterstützung genau aussehen soll. Das BLW weisst in der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2014-2017 zur Frage des Risikomanagements darauf hin:“ (…), dass insbesondere das Direktzahlungssystem dazu beiträgt die bäuerlichen Einkommen zu stabilisieren.“ Man kann es auch deutlicher formulieren: das Direktzahlungssystem ersetzt Versicherungslösungen.

In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit wird gezeigt, dass dies zu einem grossen Teil zutrifft. Es besteht nämlich – auf Betriebsebene – ein klarer negativer Zusammenhang zwischen der Relevanz von Direktzahlungen und der Abschlusswahrscheinlichkeit einer Hagelversicherung in der Schweizer Landwirtschaft*. Das heisst die steigende Relevanz von Direktzahlungen ist einer der Gründe, weshalb in den letzten 20 Jahren der Anteil der Betriebe, die eine Hagelversicherung abschlossen, rückläufig war. Nimmt der Anteil des Einkommens zu, der unabhängig von Wetter- und Marktbedingungen ist, dann reduziert dies automatisch auch Schwankungen des Einkommens, wodurch das unternehmerische Risiko sinkt. Als Folge davon sinkt auch der Anreiz, Marktinstrumente wie beispielsweise Versicherungen zum Risikomanagement einzusetzen.

Die Subvention um die Landwirte dazu zu bringen eine Versicherung abzuschliessen müsste daher umso höher sein, je wichtiger Direktzahlungen sind. Mit der Perspektive eines effizienten Einsatzes der zur Verfügung stehenden Mittel wäre daher im bestehenden System von einer solchen Subvention klar abzuraten (wie dies bei der Hagelversicherung auf Bundesebene ja auch der Fall ist). Oder wenn, dann nur auf der Basis einer Umlagerung von in Direktzahlungen gebundenen Mitteln in die Entwicklung und Einführung von Versicherungslösungen.

Dies heisst aber nicht, dass keine öffentliche Unterstützung für die Absicherung wetter- und marktbedingter Risiken stattfinden sollte. Nur eben in einer anderen Form: Bildung, Forschung, Information und die Schaffung von Infrastruktur für Versicherungslösungen stellen Alternativen dar, in denen eine öffentliche Unterstützung sehr sinnvoll seien kann. Die notwendige Verbesserung des Risikomanagements in der Schweizer Landwirtschaft sollte dabei auf den in vielen anderen Ländern gemachten Erfahrungen zurückgreifen, aus Fehlern lernen und den vorhandenen wissenschaftlichen Arbeiten in diesem Bereich Rechnung tragen.

 

*Finger, R., Lehmann, N. (2012). The Influence of Direct Payments on Farmers‘ Hail Insurance Decisions. Agricultural Economics 43(3): 343-354 >>

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