Kartoffel-Überproduktion in Futtertrog und Biogasanlage: nachhaltige Landwirtschaft?

Robert Finger. 50‘000 Tonnen überschüssige Kartoffeln haben die Schweizer Produzenten dieses Jahr produziert. Diese landen nun im Futtertrog oder dienen der Biogas-Produktion. Im Laden werden die Kartoffeln indes nicht billiger, weil die Überschüsse gar nicht auf den Markt gelangen.

Die Schweizer Kartoffelernte fällt dieses Jahr grösser aus als erwartet. Das ist eine gute Nachricht, eine produzierende Schweizer Landwirtschaft wird ja von vielen Seiten gefordert und gefördert. Ein höheres Angebot sollte intuitiv einen tieferen Preis bedeuten, welcher die Nachfrage nach Schweizer Kartoffeln erhöhen würde – Kartoffeln sind ja ein (enges) Substitut für andere Produkte. Überproduktionsmengen werden jedoch anderweitig „verwertet“ um den Preis hoch zu halten. Da der Markt aber nicht spielen darf, darf der Kunde somit nicht von tieferen Preisen profitieren. Höhere Preise, tiefere Mengen – daraus entstehen Wohlfahrtsverluste. Aus ökonomischer Sicht ist neben dem Gewinn des Produzenten (Produzentenrente) auch die Perspektive der Kunden (Konsumentenrente) relevant um Wohlfahrtsverluste zu bestimmen. Es ist wichtig zu beachten, dass kartellähnliche Situationen auf einem Markt wie ein Monopol wirken. Das heisst ein koordiniertes Zusammenwirken von vielen Produzenten kann den gleichen Effekt auf Preis, Menge und Wohlfahrt haben wie ein einzelner Monopolist. Das ist Marktversagen. Staatliche Eingriffe können (müssen) dieses Marktversagen beheben.

Die vorgesehene Verwertung der Überschussproduktion muss auch Bestandteil einer Diskussion sein: „Futtertrog oder Biogasproduktion“. Die USA werden häufig für ihre nicht nachhaltige Politik bezüglich Bioenergieproduktion aus Nahrungsmitteln kritisiert. Zudem steht „feed no food“ auch bei vielen Vertretern der Schweizer Landwirtschaft ganz oben auf der Agenda. Das Beispiel der Überschussverwertung von Kartoffeln zeigt aber auch einen Handlungsbedarf im eigenen Land auf. Um diese Phänomene zu vermeiden braucht es keine agrarpolitischen Eingriffe, sondern einfach nur ein wenig mehr Wettbewerb (oder ein Verbot von Wettbewerbsverzerrung).

Marktversagen kommt nicht nur bei extremen Wettbewerbssituationen (ruinöser Wettbewerb) vor, sondern beinhaltet auch Konsequenzen eines zu tiefen oder fehlenden Wettbewerbs. Das hier präsentierte Beispiel unterstreicht, dass ein bisschen mehr Wettbewerb zu besseren, faireren und nachhaltigeren Ergebnissen führen kann.

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