von Christian Stetter, Carla Cronauer*. Die Landwirtschaft ist stark vom Klimawandel betroffen. Wir haben analysiert, welche Klimaanpassungsstrategien deutsche Landwirt:innen bevorzugen.
Die Landwirtschaft spürt die Folgen des Klimawandels besonders stark. Höhere Temperaturen, veränderte Regenfälle und mehr extreme Wetterereignisse können dazu führen, dass Ernten schlechter ausfallen oder sogar ganz ausbleiben. Zudem nehmen Schädlinge und Pflanzenkrankheiten zu, was die Situation weiter verschärft. Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass sich diese Probleme in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken werden (Calzadilla et al., 2013). Deshalb müssen Landwirt:innen ihre Anbaumethoden an die sich verändernden Bedingungen anpassen. Die Landwirtschaft hat sich zwar schon immer an wechselnde Klimabedingungen angepasst, doch die heutige schnelle und starke Veränderung des Klimas bringt enorme Herausforderungen mit sich. Daher sind neue und gezieltere Massnahmen notwendig, um darauf effektiv zu reagieren.
Es gibt keine allgemeingültige Lösung für die Anpassung an den Klimawandel (Hansen & Bi, 2017). Selbst landwirtschaftliche Betriebe in unmittelbarer Nähe zueinander können unter völlig unterschiedlichen Bedingungen arbeiten, da Faktoren wie Klima und Bodenbeschaffenheit je nach Region und Standort stark variieren. Daher sind auch die Folgen des Klimawandels nicht überall gleich. Landwirt:innen müssen individuelle Anpassungsstrategien entwickeln, die genau auf ihre spezifischen Gegebenheiten abgestimmt sind.
In einem kürzlich in der Fachzeitschrift Agricultural Economics veröffentlichten Artikel (Stetter & Cronauer, 2024) analysieren wir, welche Klimaanpassungsmassnahmen deutsche Landwirt:innen im Ackerbau bevorzugen und wie diese Vorlieben mit örtlichen Umweltbedingungen zusammenhängen. Dafür nutzen wir ein Best-Worst-Scaling-Experiment, um herauszufinden, welche Massnahmen ihnen besonders wichtig sind.

Best-Worst-Scaling (BWS) ist eine Methode zur Ermittlung der relativen Bedeutung verschiedener Optionen, bei der Teilnehmende (in unserem Fall befragte Landwirt:innen) aus einer vorgegebenen Liste die für sie beste und schlechteste Option auswählen. In diesem Kontext bedeutet das, dass die befragten Landwirt:innen aus verschiedenen Klimaanpassungsmassnahmen jene wählten, die sie für am wirkungsvollsten und am wenigsten geeignet hielten. Durch wiederholte Entscheidungen über verschiedene Auswahlsets lässt sich die relative Bedeutung der einzelnen Massnahmen präzise bestimmen.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass deutsche Ackerbauern und -bäuerinnen kostengünstige, schrittweise Anpassungsmethoden an den Klimawandel bevorzugen. Im Durchschnitt bewerteten die Landwirt:innen die Anpassung der Fruchtfolge, im Sinne einer Ausweitung und Diversifizierung des Anbauspektrums, als ihre beliebteste Anpassungsmassnahme. Danach folgten konservierende Bodenbearbeitung, der Einsatz von Zwischenfrüchten sowie den Einsatz von widerstandsfähigen Pflanzen und robuste Sorten. Gleichzeitig verdeutlichen unsere Ergebnisse, dass die Präferenzen je nach Betrieb teils erheblich variieren (Abbildung 1). Die insgesamt unbeliebtesten Anpassungsmassnahmen waren Versicherungen, Bewässerung, Mischkulturen und Präzisionslandwirtschaft.

Die Unterschiede in der relativen Bedeutung der verschiedenen Anapassungsmassnahmen zwischen den Landwirt:innen konnten wir in einem zweiten Schritt auf die lokal unterschiedlichen biophysikalischen Bedingungen zurückführen (Abbildung 2). Unter trockenen Bedingungen wurden Anpassungen in der Fruchtfolge und konservierende Bodenbearbeitung bevorzugt, während unter feuchteren Bedingungen die Nutzung von Zwischenfrüchten und Mischkulturen bevorzugt wurde. Ebenso begünstigten wärmere Bedingungen die Beliebtheit widerstandsfähigerer Kulturen, während kühlere Bedingungen mit der Bevorzugung einer angepassten Fruchtfolge in Zusammenhang standen. Auch die Bodenqualität spielte eine Rolle: Im Kontext mit schlechteren Böden wurden zum Beispiel Zwischenfrüchte und widerstandsfähigere Kulturen bevorzugt.

Um eine gezielte Anpassung an den Klimawandel und die lokalen Gegebenheiten der Landwirt:innen zu erreichen, sollten politische Entscheidungsträger:innen ihre Strategien an den konkreten Bedürfnissen der Landwirt:innen Beachtung schenken. In unserer Studie diskutieren wir einige Massnahmen, wie etwa die Einbeziehung von Landwirt:innen und anderen relevanten Interessensgruppen in den politischen Entscheidungsprozess, um deren Anliegen besser zu verstehen. Ausserdem sollten Informationen zu den Vorteilen von Anpassungsmassnahmen, abhängig von den lokalen Umweltbedingungen, bereitgestellt und durch Förderprogramme unterstützt werden.
Ein grosses Hindernis für die Einführung effektiver Anpassungsmassnahmen sind die Kosten. Technologien wie Bewässerung und Präzisionslandwirtschaft gelten zwar sehr effektiv, gehören aber zu den unbeliebtesten Massnahmen unter Landwirt:innen. Ein weiteres interessantes Ergebnis unserer Studie war, dass Versicherungen als die unbeliebteste Anpassungsmassnahme eingestuft wurde, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zur Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft leisten kann. Sie können zum Beispiel das finanzielle Risiko eines Ernteausfalls nach extremen Ereignissen wie Hagel oder Starkregen abmildern. Ein möglicher Grund, warum Landwirt:innen Versicherungen so gering schätzen, könnte darin liegen, dass sie den Klimawandel vor allem mit spezifischen Risiken wie Dürre verbinden, die hohe Ernteverluste verursachen. Gleichzeitig gibt es bisher nur wenige Versicherungsprodukte, die gegen Dürre-Risiken absichern (Bucheli et al., 2023), was dazu führen könnte, dass Landwirt:innen Versicherungen als weniger effektive Massnahme im Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels wahrnehmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel eine vielschichtige und standortspezifische Herausforderung darstellt. Unsere Studie zeigt, dass Landwirt:innen in Deutschland vor allem kostengünstige und einfach umsetzbare Anpassungsmassnahmen bevorzugen, die auf ihre lokalen Umweltbedingungen abgestimmt sind. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine differenzierte politische Unterstützung erforderlich ist, um Landwirt:innen bei der Umsetzung von Anpassungsstrategien zu unterstützen. Insbesondere sollten Massnahmen wie die Bereitstellung von Informationen, die Förderung von innovativen Technologien und die Einbindung der Landwirt:innen in den Entscheidungsprozess vorangetrieben werden, um eine nachhaltige und widerstandsfähige Landwirtschaft im Angesicht des Klimawandels zu fördern.
Referenzen
Bucheli, J., Conrad, N., Wimmer, S., Dalhaus, T., & Finger, R. (2023). Weather insurance in European crop and horticulture production. Climate Risk Management, 41(May), 100525. https://doi.org/10.1016/j.crm.2023.100525
Calzadilla, A., Rehdanz, K., Betts, R., Falloon, P., Wiltshire, A., & Tol, R. S. J. (2013). Climate change impacts on global agriculture. Climatic Change, 120(1–2), 357–374. https://doi.org/10.1007/s10584-013-0822-4
Hansen, A., & Bi, P. (2017). Climate change adaptation: No one size fits all. The Lancet Planetary Health, 1(9), e360–e367. https://doi.org/10.1016/S2542-5196(17)30160-2
Stetter, C., & Cronauer, C. (2024). Climate and soil conditions shape farmers’ climate change adaptation preferences. Agricultural Economics, agec.12870. https://doi.org/10.1111/agec.12870
* Christian Stetter, Gruppe für Agrarökonomie und -politik, ETH Zürich, Schweiz; Carla Cronauer, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) (Kontakt: cstetter@ethz.ch )