Brauchen wir alternative Anreizmechanismen in der Agrarpolitik?

Robert Finger. Die Transparenz in der Schweizer Agrarpolitik ist hoch. Mit zu einfachen Regeln ist aber weder dem Landwirt, noch dem Steuerzahler oder der Umwelt wirklich gedient.

Eine der wesentlichen Stärken der Schweizer Agrarpolitik ist die – im internationalen Vergleich – hohe Transparenz der Regeln und Anreizmechanismen. Zwei Beispiele: eine extensive Getreide- oder Rapsproduktion wird mit zusätzlichen 400 Franken/ha entschädigt und die Düngungsnorm für Weizenanbau beträgt 140 kg/ha (mittlerweile zum Teil flexibel). Sind diese klaren Regelungen hilfreich? Ja, sie sorgen für Transparenz – die vielleicht sogar als fair wahrgenommen werden kann, da alle mit gleichlangen Spiessen kämpfen. Aber, dies führt auch zu Wohlfahrtsverlusten! Weder dem Steuerzahler, Landwirten noch der Umwelt ist mit (zu) einfachen Regeln wirklich gedient.

Die Einführung von Extensobeiträgen, beispielsweise, führte zu Mitnahmeeffekten: Ohnehin extensiv wirtschaftende Betriebe mit geringem Pestizid- und Düngungseinsatz übernahmen – bei nur leicht tieferer Bewirtschaftungsintensität – einfach die Direktzahlung. Zudem fördert der Beitrag insbesondere Flächen mit tiefen Ertragspotentialen, auf denen extensive Bewirtschaftung auch ohne zusätzliche Beiträge profitabel wäre. Intensiv wirtschaftende Betriebe bleiben, im Rahmen des ÖLN, intensiv.

Auch wenn ihrer Berechnungsgrundlage keine explizite Umweltauswirkung zu Grunde liegt, reduzieren Düngungsnormen auf nationaler Ebene die ausgebrachten Düngungsmengen und somit gesamthaft auch die Umweltbelastung. Aber, auch hier gibt es Mitnahmeeffekte: Auf Flächen mit tiefen Ertragspotentialen, auf denen der Düngungseinsatz auch ohne Begrenzung unter den Normwerten bleiben würde, gibt es keine Kosten für die Einhaltung der Norm (Compliance Kosten). Nur Betrieben mit hohen Ertragspotentialen entsteht durch diese Regelung eine Einbusse, da der auferlegte Düngungseinsatz von den optimalen Werten abweicht.

Zur Problematik der Mitnahmeeffekte kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Weder Extensobeiträge noch Düngungsnorm können (räumlich) explizit auf den Schutz von spezifischen Gewässern und Habitaten abzielen, welche über die Gewässerschutzverordnung hinausgehen. Eine einheitliche Lösung für die gesamte Schweiz löst nicht die spezifischen Probleme einer bestimmten Region (One size does not fit it all). Zudem ist die Überwachung der Einhaltung der Auflagen (Monitoring) – sofern möglich – für Staat und Landwirt teuer.

Alternativ könnten andere Anreizmechanismen eingeführt werden. Würden beispielsweise Pestizide sowie bestimmte Dünger verteuert, z.B. durch eine angemessene, mengenbezogene Umweltabgabe, kann der Inputeinsatz im Ganzen ebenfalls auf das gewünschte Mass reduziert werden. Extensive Betriebe blieben extensiv, intensive Betreibe blieben intensiv wirtschaftend – ABER, jeder Landwirt hat nun die Freiheit, den für ihn optimalen Inputeinsatz zu wählen. Das reduziert die (Compliance) Kosten der Landwirte und die Kosten des Monitorings für den Staat. Teile der Einsparungen im Agrarbudget sowie die Einnahmen aus den Umweltabgaben können dafür verwendet werden, Landwirte für explizite, zielgerichtete, lokale Schutzleistungen von Ökosystemen zu entschädigen, die über die bestehenden Regelungen hinaus gehen. Mit anderen Worten, alternative Anreizmechanismen können dem Steuerzahler, Landwirten und der Umwelt helfen!

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