Anbaudiversifizierung und ihre Synergien mit landwirtschaftlichen Versicherungen zur Bewältigung extremer Wetterereignisse

Jonas Schmitt.1 Dieser Blogbeitrag beinhaltet die Zusammenfassung der Dissertation von Jonas Schmitt “The role of on-farm crop diversification and its synergies with agricultural insurance to cope with extreme weather events in German agriculture”.2 Die Dissertation wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Thünen-Institut für Betriebswirtschaft (Braunschweig) und der Arbeitsgruppe für Agrarökonomie- und Politik der ETH Zürich verfasst und im Juli 2024 abgeschlossen.

Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Staunässe, Hitze und Frost können schwere Schäden während des Anbaus von Ackerkulturen verursachen. Darüber hinaus führt der Klimawandel zu einer regionalen Zunahme der Schwere und Häufigkeit dieser Ereignisse und zwingt den Agrarsektor zu einer kontinuierlichen Anpassung seines Risikomanagements. Laufende Wetterrisikobewertungen sind erforderlich, um das Risikomanagement in der Landwirtschaft auf (kosten-)effiziente Weise anzupassen und zu priorisieren, um die landwirtschaftlichen Einkommen zu schützen und eine stabile Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten.

Die meisten bestehenden Wetterrisikobewertungen berücksichtigen und vergleichen nicht die Auswirkungen unterschiedlicher extremer Wetterereignisse auf die Erträge verschiedener Ackerkulturen auf betrieblicher Ebene. Dies ist jedoch von hoher Bedeutung für die Entscheidungen der Landwirte im Rahmen des innerbetrieblichen und außerbetrieblichen Risikomanagement und wie sie deren Risikomanagement priorisieren. Nicht immer sind alle Risikomanagementstrategien wirksam oder verfügbar, um verschiedenen Schweregraden von Schadensereignissen zu begegnen. Daher müssen Landwirte oft verschiedene Risikomanagementstrategien kombinieren, um eine angemessene Risikominderung zu erreichen. So kann beispielsweise die Diversifizierung der Ackerkulturen als innerbetriebliches Risikomanagement für moderate, nicht aber für extreme Wetteranomalien ausreichen, und Versicherungsoptionen sind oft zu teuer, wenn sie systemische Risiken wie Dürre abdecken sollen. Daher zielt diese Dissertation darauf ab, die übergreifende Frage zu beantworten, wie die Diversifizierung der Ackerkulturen auf landwirtschaftlichen Betrieben und Versicherungsoptionen kombiniert werden können, um ihre Synergien wirksam zu nutzen und das Risikomanagement für Ackerkulturen bei unterschiedlichen Schweregraden von Wetteranomalien zu verbessern.

Paper 1 beinhaltet umfassende Schätzungen und Vergleiche der regionalen Auswirkungen von Dürre, Staunässe, Hitze und Frost auf die Erträge von Winterweizen, Wintergerste, Winterraps und Körnermais in Deutschland (Schmitt et al., 2022).3 Wir analysieren 423.815 Ertragsbeobachtungen auf Betriebsebene über den Zeitraum von 1995 bis 2019 mithilfe von ‚two-way-fixed effects models‘. Historische Ertragsverluste für diese Kulturen werden monetarisiert und für ganz Deutschland graphisch dargestellt, um die räumliche Variation der Risikoexposition zu verdeutlichen. Wir zeigen, dass extreme Dürreereignisse die höchsten Ertragsverluste und finanzielle Einbußen in Deutschland verursacht haben.

In Paper 2 untersuchen wir daher die Effektivität der Diversifizierung von Ackerkulturen auf landwirtschaftlichen Betrieben, um das Risiko während unterschiedlicher Dürregrade zu senken, indem wir die Wahrscheinlichkeit gleichzeitiger Ertragsverluste auf Betriebsebene für verschiedene Paare von Ackerkulturen in Abhängigkeit von der Dürreintensität analysieren (Schmitt et al., 2024b).4 Wir untersuchen diese nichtlinearen Zusammenhänge mithilfe von Copulas. Die Ergebnisse zeigen, dass die betriebliche Anbaudiversifizierung häufig zur Bewältigung von Dürrerisiken beiträgt, dass ihre Wirksamkeit jedoch je nach Region, Ackerkulturpaar und Dürreschweregrad erheblich variiert. Insbesondere bei extremen Dürreperioden reicht die Diversifizierung der Kulturen im Betrieb regional oft nicht aus, um das Einkommen und die Zahlungsfähigkeit der Betriebe hinreichend zu schützen, was die Bedeutung eines ergänzenden Risikomanagements außerhalb des Betriebs, z. B. durch Versicherungen, unterstreicht.

In Paper 3 analysieren wir deshalb das Potenzial für Synergien zwischen der Diversifizierung von Ackerkulturen im Betrieb und der Ertragsversicherung, um den Zugang der Landwirte zu Versicherungen zu verbessern (Schmitt et al., 2024c).5 Wir vergleichen in einer ex-ante Analyse die Szenarien (1) Erträge von Ackerkulturen einzeln zu versichern (‚Einzelertragsversicherungen‘) und (2) die Erträge durch eine ‚Mehrertragsversicherung‘ gebündelt zu versichern, indem wir jeweils die Risikominderungspotenziale, die fairen Prämien und den erwarteten Nutzen der Landwirte betrachten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mehrertragsversicherung zu niedrigeren fairen Prämien und geringeren Standardabweichungen der fairen Prämien führt, aber dennoch eine angemessene Risikominderung bietet.

Die Ergebnisse dieser Dissertation sind relevant für Landwirte, politische Entscheidungsträger und Agrarversicherer sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern und Regionen der Welt. Zum einen impliziert die räumliche Variation extremer Wettereffekte, dass Landwirte ihr Risikomanagement regionsspezifisch anpassen müssen, was auch von politischen Entscheidungsträgern berücksichtigt werden sollte, wenn sie das Risikomanagement der Landwirte durch Subventionen unterstützen. Zudem zeigen wir, dass die Diversifizierung der Ackerkulturen auf Betrieben oft eine wirksame Risikomanagementstrategie zur Bewältigung von Dürren ist, diese Strategie jedoch bei extremen Dürreereignissen regional unzureichend ist. Daher müssen Landwirte und politische Entscheidungsträger erkennen, ob ein ergänzendes außerbetriebliches Risikomanagement erforderlich ist, um das Einkommen und die Zahlungsfähigkeit des Betriebs zu schützen. Wir zeigen, dass die niedrigeren fairen Prämien von Mehrertragsversicherungen es ermöglichen, dass der Zugang zu Versicherungen für Landwirte verbessert werden kann. Durch die Förderung von Mehrertragsversicherungen können die politischen Entscheidungsträger zudem die Anbaudiversifizierung von Ackerkulturen auf Betrieben wertschätzen. Die Förderung von Mehrertragsversicherungen reduziert außerdem Anreize das innerbetriebliche Risikomanagement zugunsten von außerbetrieblichen Risikomanagement zu „überspringen“. Schließlich können Versicherungsunternehmen ihr Risiko der adversen Selektion potenziell verringern, indem sie Mehrertragsversicherungen anbieten, da die Standardabweichungen der fairen Prämien geringer sind. Dies ist besonders relevant, wenn Versicherungsunternehmen landwirtschaftliche Betriebe versichern möchten, für die sie keine historischen Ertragsdaten vorliegen haben.

Die Dissertation zeigt, dass es Synergien und Wechselwirkungen zwischen den Maßnahmen des landwirtschaftlichen Risikomanagements gibt. Dieser Synergiegedanke sollte auch Gegenstand zukünftiger Forschung sein und auf andere Bereiche der Agrarpolitik ausgeweitet werden. Beispielsweise könnte die Stärkung vielfältiger Agrarlandschaften sowohl dem Risikomanagement als auch der Biodiversität dienen. Hinsichtlich der Wechselwirkungen innerhalb des landwirtschaftlichen Risikomanagements sind z.B. die Effekte von Ad-hoc-Zahlungen auf die Anbaudiversifizierung innerhalb landwirtschaftlicher Betriebe noch unklar. Eine genauere Untersuchung dieser Effekte kann wichtige Erkenntnisse für die Klimaanpassung im Agrarsektor liefern.

1 Jonas Schmitt ist Post-Doc der Agrarökonomie- und Politik Gruppe der ETH Zürich.

2 Link der Dissertationsschrift: Jonas Schmitt. (2024a). The role of on-farm crop diversification and its synergies with agricultural insurance to cope with extreme weather events in German agriculture. https://doi.org/10.3929/ethz-b-000699889.

3 Schmitt, J., Offermann, F., Söder, M., Frühauf, C., & Finger, R. (2022). Extreme weather events cause significant crop yield losses at the farm level in German agriculture. Food Policy, 112, 102359. https://doi.org/10.1016/j.foodpol.2022.102359.

4 Schmitt, J., Offermann, F., Ribeiro, A. F., & Finger, R. (2024b). Drought risk management in agriculture: A copula perspective on crop diversification. Agricultural Economics, 55(5), 823-847. https://doi.org/10.1111/agec.12851.

5 Schmitt, J., Offermann, F., & Finger, R. (2024c). The use of crop diversification in agricultural yield insurance products.

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About Robert Finger

I am professor of Agricultural Economics and Policy at ETH Zurich. Group Website: www.aecp.ethz.ch. Private Website: https://sites.google.com/view/fingerrobert/home