Eine globale Übersicht von Agrarumweltpolitiken zeigt politische Präferenzen und Umwelteffekte

David Wuepper, Ilsabe Wiebecke, Lara Meier, Sarah Vogelsanger, Selina Bramato, Andrea Fürholz, Robert Finger

Überall auf der Welt werden Politikmassnahmen implementiert, um Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltiger zu gestalten. Dies ist auch dringend notwendig, da die Landwirtschaft in den meisten Ländern noch viele Umweltprobleme verursacht (1-4). Es fehlte bisher jedoch eine umfassende und kohärente Datenbank, wo, wann, welche Politikmassnahmen umgesetzt wurden.  So ist es zum Beispiel nicht möglich, Länder bezüglich ihrer Agrarumweltpolitik miteinander zu vergleichen, oder globale Trends zu analysieren. In einem neuen Artikel in Nature Food (5) stellen wir eine Datenbank vor, die die Agrarumweltpolitiken aller Länder detailliert aufzeigt. Diese Datenbank umfasst momentan 6124 Agrarumweltpolitiken . Der Begriff Agrarumweltpolitiken wird hier sehr weit aufgefasst und umschließt verschiedene Arten von Politiken (z.B. Gesetze, Verordnungen, Zahlungen für Umweltdienstleistungen) in der Schnittmenge von Landwirtschaft und Umwelt. Dies beinhaltet z.B. Schutz von Böden, Regulierung von Pflanzenschutzmitteln, Dünger, und Landnutzung, Schutz von terrestrischer Biodiversität und Wäldern, und weiteren verwandten Themen. Die Datenbank selbst (6) ist auf Zenodo veröffentlicht und frei zugänglich. Die Datenbank nach bestimmten Dimensionen der Politikmassnahmen filtern, zum Beispiel nach dem Ziel (z.B. Schutz von Böden oder Wäldern, Verminderung von Pestizid- oder Nährstoffverschmutzung), dem Instrument (z.B. Gesetzesänderung oder Agrarumweltzahlungen), dem Jahr (die Datenbank reicht zurück bis 1960), oder der administrativen Ebene (regional, national, international). Für ein quantitatives Maß von Agrarpolitiken kann man Anzahl die Politiken aufsummieren, oder man kann einen Index erstellen, der die Anzahl der Politiken gewichtet, z.B. mit institutionellen Charakteristiken der Länder oder auch direkt Politikcharakteristiken. Beides ist in Abbildung 1 illustriert (A zeigt die Anzahl Politiken, B zeigt eine Gewichtung mit Politikintensität und deren Umsetzung).

Abbildung 1. Überall auf der Welt werden Agrarumweltpolitiken umgesetzt. Europa sticht ein wenig hervor.

Abbildung 2. Mit steigendem BIP werden tendenziell immer mehr Agrarumweltpolitiken umgesetzt. Es gibt aber auch Abweichungen vom Trend, insbesondere unter den Ländern mit höherem Einkommen gibt es solche die besonders viele Politiken einführen, und solche die überraschend wenig machen.

Die Datenbank ermöglicht es, Politikänderungen über die Zeit zu verfolgen, z.B. ab wann bestimmte Instrumente eingesetzt wurden, oder wie sich Agrarumweltpolitiken räumlich verbreitet haben. Die Datenbank erlaubt es auch, in Zukunft die Effekte der Maßnahmen zu evaluieren, um zu verstehen, inwieweit die umgesetzten Politiken ihre Ziele erreicht haben. Im Artikel, wird solch eine Analyse demonstriert, und zwar für Politiken die landwirtschaftlichen Böden versuchen zu schützen. Ein großer, positiver Effekt ist ersichtlich auf globaler Ebene. Ein großer Teil der Bodenerosionsunterschiede zwischen Ländern lässt sich auf Unterschiede in Politiken zurückführen.

Eine alte, aber nach wie vor aktuelle Frage ist, ob es einen Zusammenhang gibt, zwischen wirtschaftlicher Entwicklung der Ländern und der Einführung von Agrarumweltpolitiken. Dies ist deutlich in der Agrarumweltpolitik Datenbank zu erkennen (Abbildung 2). Je höher das Einkommensniveau der Länder, desto mehr Agrarumweltpolitiken werden eingeführt (A), und das Muster wird noch klarer, wenn man die Politiken mit ihrer Strenge und Umsetzung gewichtet (B).

Autoren: David Wuepper (Bonn), Ilsabe Wiebecke, Lara Meier, Sarah Vogelsanger, Selina Bramato, Andrea Fürholz, Robert Finger (alle ETH Zürich). Kontakt: wuepper@uni-bonn.de

Artikel (Open Access): https://www.nature.com/articles/s43016-024-00945-8

Database (Open Access): 10.5281/zenodo.10421761

Funding: ERC Starting Grant LAND-POLICY und DFG Cluster of Excellence PhenoRob

Referenzen

1.           D. Wuepper, F. H. Tang, R. Finger, National leverage points to reduce global pesticide pollution. Global Environmental Change 78, 102631 (2023).

2.           D. Wuepper, S. Le Clech, D. Zilberman, N. Mueller, R. Finger, Countries influence the trade-off between crop yields and nitrogen pollution. Nature Food 1, 713-719 (2020).

3.           D. Wuepper, P. Borrelli, R. Finger, Countries and the global rate of soil erosion. Nature sustainability 3, 51-55 (2020).

4.           D. Wuepper et al., Public policies and global forest conservation: Empirical evidence from national borders. Global Environmental Change 84, 102770 (2024).

5.           D. Wuepper et al., Countries’ Agri-Environmental Policies from 1960 to 2022. Nature Food,  (2024).

6.           D. Wuepper et al., Countries‘ Agri-Environmental Policies Database. Zenodo, https://doi.org/10.5281/zenodo.10842614 (2024).

Die Datenbank ist die Grundlage für den ERC Starting Grant LAND-POLICY (2023 – 2028). Ziel des Projekts ist es zu verstehen, unter welchen Bedingungen nationale Politiken effektiv und effizient Landgradierung reduzieren und Restaurierung maximieren (Details auf der Website der Land Economics Gruppe der Uni Bonn).

Bildquelle: Global Research Alliance

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About Robert Finger

I am professor of Agricultural Economics and Policy at ETH Zurich. Group Website: www.aecp.ethz.ch. Private Website: https://sites.google.com/view/fingerrobert/home