Implikation von zwei Jahrzehnten Forschung zu Agrarversicherungen

Shalika Vyas, Tobias Dalhaus, Miranda Meuwissen, Pramod Aggarwal, Martin Kropff*

In einer systematischen Literatur-Review-Studie von 796 Artikeln die zwischen den Jahren 2000 und 2019 veröffentlicht wurden konnten wir herausarbeiten, dass Forschung zu Agrarversicherungen besser an der vergangenen und zukünftig zu erwartenden Risikoexposition an einem Standort ausgerichtet werden sollte.

Globale Lebensmittelwortschöpfungsketten erfahren jährliche Milliardenverlust durch Extremwetterlagen, Pflanzenkrankheiten und Tierseuchen. In der vergangenen Dekade entspricht der in der Tier- und Pflanzenproduktion entstandene Schaden dem jährlichen Kalorienbedarf von 7 Millionen Erwachsenen (https://www.fao.org/resources/digital-reports/disasters-in-agriculture/en). Um derartige Verluste zu vermeiden stehen Landwirten eine Vielzahl von Risikomanagementstrategien zur Verfügung. Neben agronomischen Maßnahmen, nutzen Landwirte vielerorts Agrarversicherungen, um ihr betriebliches Risiko an einen Versicherungsgeber zu transferieren, der die Risiken aller versicherten Landwirte vereint. Forschung begleitet und unterstützt diese markwirtschaftliche Entwicklung zum Beispiel mit dem Design neuer Versicherungsinstrumente oder einem verbesserten Verständnis darüber wie verschiedene Risiken unsere Lebensmittelproduktion beeinflussen.

In einer kürzlich in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters erschienenen Studie fassen wir diese Entwicklungen zusammen. Wir ordnen die bisherige Forschung entlang verschiedener Kategorien wie das versicherte landwirtschaftliche Erzeugnis, das Forschungsthema, der geografische Fokus der Studie, die Art der Versicherung, und die abgedeckten Risiken. Des Weiteren bilden wir die räumliche Verteilung der Studien ab und zeigen Korrelationen mit historischen und zukünftig zu erwartenden Risikoexpositionen auf. Die zukünftig erwartbare Risikoexposition schätzen wir dabei anhand von Klimawandelszenarien (SSP5 Shared Socioeconomic Pathways) ab.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die bisherigen Forschung auf entwickelte Länder konzentriert und der Fokus vor allem auf Getreide liegt. Andere Regionen und Erzeugnisse wie Obst und Gemüse (in Südamerika), Hirse (in Afrika), sowie Fischerei und Aquakulturen (in Südostasien) sind dabei oft unterrepräsentiert. Die Forschung ist ausserdem disproportional auf verschiedene Versicherungsprodukte aufgeteilt. Am meisten werden sogenannte Indexversicherungen betrachtet bei denen die Versicherungsauszahlung auf einem Wetterwert oder regionalen Durchschnittsertrag beruht und nicht auf einem tatsächlich entstandenen Schaden. Es folgen, schadenbasierte Versicherungen wobei am wenigsten Forschung sich auf sogenannte Erlösversicherungen konzentriert. Letztlich zeigen unsere Ergebnisse, dass sich Forschung eher an Risikohotspots orientieren sollte, da wir bis auf einige Ausnahmen eine geringe Korrelation zwischen Forschungsintensität (Anzahl Studien in einem Land) und dem Auftreten von Risiken finden (Abbildung 1). Dies gilt insbesondere für zukünftige Klimarisiken und historische Epidemien bei Nutztieren).

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Abbildung 1: Selected spatial correlations between research intensity and hazards

Unsere Studie fasst den aktuellen Forschungsstand systematisch zusammen und zeigt potentielle Forschungslücken auf. Mit wachsender Bevölkerung und Wohlstand, Zielkonflikten zwischen Biodiversität und Lebensmittelproduktion, und dem voranschreitenden Klimawandel unterliegt unser Agrarsystem einem dynamischen Wandel. Um diesem Wandel zu begegnen sollten Lebensmittelproduktionssysteme resilienter gegenüber externen Risiken werden und Versicherungen können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Risikomanagement entlang der Wertschöpfungskette muss dabei holistisch betrachtet werden und verschiedenen Managementinstrumente sollten ineinander greifen. Die Nutzung modernen Informationssysteme und Daten zu Produktion und Umwelt sowie neue Analysemodelle ist hierbei essentiell.

Referenz

Vyas, S.; Dalhaus, T.; Kropff, M.; Aggarwal, P.; Meuwissen, M.P.M. Mapping global research on agricultural insurance. Environ. Res. Lett. 2021, 16, 103003, doi:10.1088/1748-9326/ac263d. https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/ac263d (open access)

*Über die Autoren:

Shalika Vyas ist Doktorandin in der Gruppe für Business Economics an Universtität Wageningen in den Niederlanden und Associate Fellow für Climate and Agriculture am CIAT (International Center for Tropical Agriculture). Tobias Dalhaus und Miranda Meuwissen sind Professoren in der Gruppe für Business Economics and der Wageningen Universität. Pramod Aggarwal leitet das Südostasien Regionalprogramm des CGIAR Forschungsprogramms CCAFS (Climate Change, Agriculture and Food Security). Martin Kropff ist Global Director der Resilient Agrifood Systems Science Gruppe der CGIAR.

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich. Group Website: www.aecp.ethz.ch. Private Website: https://sites.google.com/view/fingerrobert/home