Wie wirkt sich Dürre auf Futterpreise aus?

Sergei Schaub & Robert Finger.

Dürren stellen ein beträchtliches Risiko für die Landwirtschaft dar. Dies gilt auch für den Bereich der Viehwirtschaft, weil Dürren zu starken Ertragsverlusten bei Futterpflanzen führen können. Wie sich diese Ertragsverluste allerdings auf den Preis von Futtermitteln niederschlagen, ist bis jetzt nicht quantifiziert worden. Ein besseres Verständnis für Preiseffekte von Dürren ist allerdings wesentlich für die landwirtschaftliche Betriebsführung und Politik, besonders unter Berücksichtig von vermehrten Auftreten von Dürren bedingt durch den Klimawandel1.

In unserer neuen Studie, welche in der Zeitschrift Environmental Research Letters2 erschienen ist, untersuchen wir wie sich Dürreschocks auf Futterpreise auswirken. Hierbei betrachten wir Preise von Heu und Futtergetreide (Futterweizen und -gerste) in Süddeutschland und wie regionale (d.h. in Süddeutschland) und nationale (d.h. in ganz Deutschland) Dürreschocks diese Preise beeinflussen.

Abbildung 1: Weideflächen mit und ohne Trockenheitsschäden. Quelle: Sergei Schaub.

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Die Futtermittel die wir in der Studie untersuchen unterscheiden sich von einander durch die beim Kauf und Verkauf anfallenden Transport- und Transaktionskosten3, und somit durch die Marktintegration. Die Marktintegration im Zusammenhang mit Dürreschocks beschreibt wie Produktions-  und Preisschocks in einer Region durch eine andere Region ausgeglichen werden kann. Heu hat in der Regel höhere Transportkosten und Transaktionskosten (z.B. wegen geringerer Markttransparenz) und daher eine geringere Marktintegration als Futtergetreide.

Für die Studien haben wir monatliche Preise von Heu sowie von Futterweizen und -gerste aus Süddeutschland für den Zeitraum August 2002 bis April 2019 verwendet und ein strukturelles Vektorautoregressives Modell geschätzt. Für die Identifikation der Dürreschocks wurde der Dürreindex ‘Standardized Precipitation Evapotranspiration Index’ (SPEI)4 verwendet, in den insbesondere Niederschlag und Temperatur eingehen. Mittels detaillierter Wetterbeobachtungen wurde der Dürreindex für die landwirtschaftliche Fläche in Süddeutschland als auch ganz Deutschland berechnet. Alle Daten und Analysen der Studie sind online frei verfügbar5.

Unsere Resultate zeigen, dass Dürreschocks in Süddeutschland zu einer erheblichen Preiserhöhung führten (bis zu +13%; siehe Abbildung 2). Preiserhöhungen in Folge eines Dürreschocks traten dabei nicht gleich zum Zeitpunkt des Dürreschocks, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung von 3 Monaten ein. Die Preiserhöhungen durch Dürreereignisse hielten ungefähr ein Jahr an.  Ähnliche Effekte von einem Dürreschock auf den Heupreis finden wir auch, wenn Dürreereignisse auf nationaler Ebene betrachtet werden. Im Gegensatz dazu finden wir keine Effekte von Dürreschocks auf regionaler oder nationaler Ebene auf Futtergetreidepreise. Diverse Sensitivitätsanalysen unterstützen unsere Ergebnisse zum Einfluss von Dürreschocks auf Heu- und Futtergetreidepreise.

 

Abbildung 2: Effekt von Dürreschocks auf Futterpreise.

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Unsere Ergebnisse zeigen klarere und ökonomisch relevante Effekte von Dürren auf Heupreise, jedoch nicht auf Futtergetreidepreise. Die unterschiedlichen Preisreaktionen können mit den unterschiedlichen Markteigenschaften der Futtermittel verbunden werden, nämlich in Bezug auf Transport- und Transaktionskosten sowie Marktintegration. Im Kontext Klimawandel zeigen unsere Ergebnisse auch, dass häufiger auftretende Dürreereignisse nicht nur Effekte auf Erträge, sondern auch Preise und Preisvolatilität bei Heu haben können. Das zeigt somit auch Anpassungsbedarf an den Klimawandel auf. Beispielsweise könnten eine stärkere Nutzung von Online-Marktplätzen zu einer Erhöhung der Markttransparenz und somit zu einer Verringerung des Effekts von Dürreschocks auf Heupreise führen6.

 

Referenzen

1 IPCC (2013) Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge and New York City

2 Schaub and Finger (2020) Drought effects on hay and feed grain prices. Environmental Research Letters. https://doi.org/10.1088/1748-9326/ab68ab (open access)

3 Transportkosten sind definiert als Kosten die durch den Transport anfallen, z.B. für Treibstoff oder Beladung. Transaktionskosten beinhalten alle anderen Kosten die beim Austausch von Gütern anfallen, z.B. für Findung von KäuferIn und VerkäuferIn oder Feststellung der Qualität.

4 Vicente-Serrano SM, Beguería S, López-Moreno JI (2010) A multiscalar drought index sensitive to global warming: the standardized precipitation evapotranspiration index. Journal of climate, 23:1696-1718. https://doi.org/10.1175/2009JCLI2909.1

5 Schaub S. Finger R (2019) Dataset: Feed price and SPEI data of South Germany and whole Germany. ETH Zurich Research Collection. https://doi.org/10.3929/ethz-b-000385361 (open access)

6 Ertragsverluste bedingt durch Dürreschocks können beispielsweise mit Versicherungen kompensiert werden. Damit könnte auch die Resilienz von graslandbasierten Produktionssystemen gegen Dürren erhöht werden (https://agrarpolitik-blog.com/2018/12/03/grasland-gegen-duerre-versichern/).

 

Diese Arbeit ist im Rahmen des Projektes DIVERSGRASS entstanden. Das Projekt befasst sich mit der ökonomisch-ökologischen Betrachtung des Diversitätseffekts, um wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen für öffentliche und private Akteure zu liefern. Es ist ein gemeinsames Projekt der AECP Gruppe und Graslandwissenschaften Gruppe und wird in Kooperation mit der Agroscope Gruppe Futterbau und Graslandsysteme durchgeführt. Für mehr Details (https://aecp.ethz.ch/research/DIVERSGRASS.html)

 

Für Kopien zu den Papern, senden Sie bitte eine Email an Sergei Schaub (seschaub@ethz.ch)

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch