Der ökonomische Mehrwert von Diversität im intensiven Grasland

Sergei Schaub, Nina Buchmann, Andreas Lüscher & Robert Finger.

Grasland ist ein wesentlicher Bestandteil der Landwirtschaft in der Schweiz und umfasst mit rund 80% einen Grossteil der landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz. Die schweizerische Agrarpolitik hat zum Ziel die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion zu fördern, um den Einsatz von Kraftfutter zu begrenzen sowie den heutigen komparativen Wettbewerbsvorteil der Produktion, resultierend aus raufutterbetonter Fütterung, langfristig zu bewahren.

Unsere neue Veröffentlichung in der Zeitschrift ‘Ecological Economics’1 befasst sich mit dem Effekt von Diversität von Pflanzen (‘Diversität’)2 auf den Ertrag und Ertragsstabilität sowie mit der ökonomischen Bewertung dieser Effekte. Frühere Studien haben gezeigt, dass Diversität im extensiv bewirtschafteten Grasland einen positiven Einfluss auf Biomasseertrag und dessen Stabilität sowie einen positiven ökonomischen Mehrwert haben kann3. In unserer Analyse wurde explizit neben Biomasseertrag auch die Qualität des Futters und intensiv bewirtschaftete Graslandsysteme berücksichtigt. Die empirische Grundlage unserer Studie umfasst Diversitätsexperimente an insgesamt 16 verschiedenen Standorten in Europa4. Das Management und die Pflanzenarten waren je nach Standort an die örtlichen Bedingungen angepasst. Das Management variierte zwischen 2 und 5 Schnitten und einer Düngung mit Stickstoff zwischen 0 und 150 kg ha−1. Die verschiedenen Pflanzenzusammensetzungen in den Experimenten reicht von 1 bis 4 Pflanzenarten mit unterschiedlichen Verhältnissen der Pflanzenarten in den Mischungen.

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Abbildung 1: Die Erhöhung der Diversität im intensiv bewirtschaften Grasland führt zu ökonomische Mehrwerten. Quelle: Agroscope.

In der Studie wurde als Variable für Qualität das Milchproduktionspotential (pro kg Biomasseertrag) und für qualitätskorrigiertem Ertrag (Biomasseertrag × Qualität) der Milchproduktionspotentialertrag (pro Hektar) verwendet. In einer ökonometrischen Analyse wurde der Effekt von Diversität auf den mittleren Biomasseertrag, Qualität und qualitätskorrigierten Ertrag sowie die Variabilität dieser Variablen quantifiziert. Anschliessend wurden diese Effekte mittels eines Erwartungsnutzenmodells ökonomisch bewertet.

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass Diversität den Ertrag von Biomasse erhöht, während die Futterqualität der Biomasse von der Diversität der Mischungen nicht beeinflusst wird. In der Summe führte eine höhere Diversität daher zu einem Anstieg von qualitätskorrigierten Ertrag. Gleichzeitig erhöhte Diversität auch die Stabilität des Biomasseertrags und die des qualitätskorrigierten Ertrags, während Diversität die Stabilität der Qualität nicht beeinflusste.

Diversität hatte daher einen positiven ökonomischen Mehrwert für Landwirtinnen und Landwirte, da Diversität erstens den erwarteten Umsatz erhöhte und zweitens das Risiko reduzierte (Abbildung 1). Für die durchschnittliche Mischung in unseren Experimenten war der gesamte Mehrwert5, ausgedrückt in Sicherheitsäquivalenten, ca. +1630 Euro ha−1 (+29%) im Vergleich zur durchschnittlichen Monokultur. Dieser kam zu einem grösseren Teil durch eine Erhöhung des erwarteten Ertrags, +1470 Euro ha−1, und zu einem kleinen Teil durch eine Reduktion des Risikos, +160 Euro ha−1.

Weitere Vergleiche zwischen den ‘besten’ Monokulturen und allen Mischungen oder den ‘besten’ Mischungen untermauern den identifizierten positiven Einflusses von Diversität auf den qualitätskorrigierten Ertrag.

 

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Abbildung 2: Einfluss von Diversität auf erwarteten Umsatz und Risikoreduktion.

 

Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren ökonomischen Mehrwert einer Erhöhung der Diversität im intensiv bewirtschaften Grasland. Die Analyse stellt eine wichtige Erweiterung der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen dar. Zudem sind die Ergebnisse für die Praxis relevant, da die verwendeten Mischungen in unseren Experimenten den Qualitätsanforderungen von laktierenden Kühen entsprechen und die zugrundeliegenden Daten von verschiedenen klimatischen Bedingungen stammen.

 

Referenzen

1 Schaub, S., Buchmann, N., Lüscher, A., & Finger, R. (2020). Economic benefits from plant species diversity in intensively managed grasslands. Ecological Economics, 168, 106488. >>

2 Diversität umfasst die Anzahl von verschiedenen Pflanzenarten wie auch die Verhältnisse der Pflanzenarten.

3 Finger, R., & Buchmann, N. (2015). An ecological economic assessment of risk-reducing effects of species diversity in managed grasslands. Ecological Economics, 110, 89-97. >>

4 Kirwan, L. et al. (2007). Evenness drives consistent diversity effects in intensive grassland systems across 28 European sites. Journal of Ecology, 95, 530-539. >>

5 Wir nehmen hier an, dass Landwirtinnen und Landwirte risikoavers sind und einen Risikoaversionskoeffizienten von 2.

 

Diese Arbeit ist im Rahmen des Projektes DIVERSGRASS entstanden. Das Projekt befasst sich mit der ökonomisch-ökologischen Betrachtung des Diversitätseffekts, um wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen für öffentliche und private Akteure zu liefern. Es ist ein gemeinsames Projekt der AECP Gruppe und Graslandwissenschaften Gruppe und wird in Kooperation mit der Agroscope Gruppe Futterbau und Graslandsysteme durchgeführt. Für mehr Details (https://aecp.ethz.ch/research/DIVERSGRASS.html)

 

Für Kopien zu den Papern, senden Sie bitte eine Email an Sergei Schaub (seschaub@ethz.ch)

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch