Werden bäuerliche Betriebe ökologisch nachhaltiger geführt?

David Wüpper, Stefan Wimmer, Johannes Sauer

Es wird häufig angenommen, dass kleine Familienbetriebe umweltfreundlicher bewirtschaftet werden, als grosse, industrielle Betriebe (siehe z.B. van der Ploeg 2013). Zwar zeigt eine Metaanalyse der OECD (2005), dass kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Betriebsstruktur und Umwelteffekten festzustellen ist, jedoch konnten bisherige Studien auf Grund der Datenlage häufig lediglich empirische Korrelationen darstellen. Es ist dabei nicht auszuschliessen, dass Variablen, die in der Analyse nicht berücksichtigt werden können, zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen. So ist zum Beispiel vorstellbar, dass regionale Gegebenheiten wie zum Beispiel Klima und Topographie sowohl die Betriebsstruktur als auch Betriebspraktiken beeinflussen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Debatte um eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik ist diese Frage aktueller denn je.

In einer kürzlich in Land Use Policy veröffentlichten Studie (Wuepper, Wimmer und Sauer, 2019) nutzen wir ein natürliches Experiment, um die kausale Beziehung zwischen bäuerlicher Landwirtschaft und ökologischer Nachhaltigkeit zu identifizieren. Den „Grad der Bäuerlichkeit“ messen wir hierbei als Index aus Betriebsgrösse, Anteil von Familienarbeitskräften sowie dem Rechtsstatus der Betriebe. Als Grundlage unserer empirischen Methodik dient die Beobachtung, dass sich die relative Häufigkeit bäuerlicher Betriebe an der historischen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland sprunghaft ändert. So liegt zum Beispiel der Anteil von Familienarbeitskräften an den Beschäftigten in der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern deutlich unter dem Anteil im Westen Deutschlands (siehe Abbildung 1). Wenn wir uns für die Analyse nur auf Betriebe in der Nähe der Grenze konzentrieren, dann sind Umweltfaktoren und heutige politische Rahmenbedingungen sehr ähnlich. Mittels Regressions-Diskontinuitäts-Analyse (Abbildung 2) können wir deshalb untersuchen, ob „Bäuerlichkeit“ kausal zu umweltfreundlicherem Management führt.

Abbildung 1. Anteil an Familienarbeitskräften auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland, 2016 (Quelle: FADN 2018)

Abb1

Abbildung 2. Die historische Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland als Grundlage für das Regression Discontinuity Design

Abb2

Die Ergebnisse zeigen, dass eine bäuerliche Betriebsstruktur zwar zu mehr Produktionsdiversifizierung führt, gleichzeitig jedoch weniger Strukturelemente und bodenbedeckende Maßnahmen mit sich bringt sowie einen höheren Anteil an Monokulturen bewirkt. Das gleiche Bild zeigt sich, wenn anstelle des Indizes allein die Betriebsgrösse als Erklärungsfaktor betrachtet wird. Hierbei muss betont werden, dass der Effekt der Anbaudiversifizierung auf Landschaftsebene deutlich höher ausfällt, als er hier einzelbetrieblich dokumentiert werden kann: auf einer gegebenen Fläche tragen fünf Betriebe, deren jeder eine breite Fruchtfolge aufweist, deutlich mehr zur Biodiversität bei als ein einzelner Grossbetrieb mit geringerer Diversifizierung. Die geringere Anzahl von Strukturelementen, der höhere Anteil unbedeckter Böden sowie die erhöhte Häufigkeit von Monokulturen lassen sich möglicherweise mit erhöhtem Kostendruck der kleinen Betriebe erklären.

Unsere Untersuchung bestätigt somit Ergebnisse früherer Studien: Kleine, bäuerliche Betriebe werden nicht per se ökologisch nachhaltiger geführt als grössere Betriebe. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass für Betriebsgrößen aller Art gleichermassen Anreize geschaffen werden sollten, die Umweltnachhaltigkeit zu gewährleisten. Insbesondere sollen Agrarumweltprogramme entsprechenden Produktionsbedingungen angepasst werden, um diese sowohl für kleine als auch grosse Betriebe attraktiv gestalten. So zeigen zum Beispiel Mennig und Sauer (2019), dass sich gewisse Agrarumweltprogramme in Deutschland negativ auf die Produktivität landwirtschaftlicher Betriebe auswirken.

 

Referenzen:

OECD (2005). Farm Structure and Farm Characteristics – Links to Non-commodity Outputs and Externalities. Report Prepared by the Working Party on Agricultural Policies and Markets of the Committee for Agriculture.

Mennig, P., Sauer, J. (2019). The impact of agri-environment schemes on farm productivity: a DID-matching approach. European Review of Agricultural Economics (in press).

Van der Ploeg (2013). Ten qualities of family farming. Farming Matters 29 (4), 8-11.

Wuepper, D., Wimmer, S., and Sauer, J. (2019): Is small family farming more environmentally sustainable? Evidence from a spatial regression discontinuity design in Germany. Land Use Policy (in press). >> (für eine Kopie bitte eine Email an David Wüpper, dwuepper@ethz.ch

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About Robert Finger

I am Agricultural Economist and head of the Agricultural Economics and Policy Group at ETH Zurich www.aecp.ethz.ch